Der Streit um die belgische Autobahngebühr wird immer absurder. Auf den Brüsseler Schelm setzt Bonn mit seinen Revanchedrohungen nun anderthalbe. Eine einseitig verhängte Vergeltungs-Maut für Belgier auf bundesdeutschen Autobahnen? Das wäre ein ebenso teures wie sinnloses Unterfangen.

Statt die deutsche Faust zu zeigen, sollte sich die Bundesregierung lieber auf die Wirksamkeit der europäischen Institutionen verlassen. Das Bremsen war schon immer deren größte Stärke. In diesem Falle hätte die Gemeinschaft sogar allen Grund aufs hemmende Pedal zu treten. Wenn das europäische Herzland Belgien (Sitz der EG-Kommission und des Ministerrates, Tagungsort der Parlamentsausschüsse) Besucher aus den Partnerländern vertragswidrig schröpft, muß es auf die konzertierte Gegenwehr aller Nachbarn stoßen.

Ohnehin erweist sich der geplante Griff in die Taschen ausländischer Autofahrer schon jetzt als Fehlspekulation. Er wird die Ebbe in den Brüsseler Staatskassen nicht beheben, dafür eine Flut des Ärgers bei den Menschen in der Gemeinschaft auslösen. Ihnen wird seit langem ein „Europa der Bürger“ versprochen. Die belgischen Gebührenpläne bestärken sie jedoch in dem Verdacht, daß sie auf ein „Europa der Schildbürger“ gefaßt sein müssen. D. B.