Aus, vorbei. Wenn die Ferien sich neigen, ist es mit der Stimmung meist nicht weit her: „seelische Schieflagen“ – die Bräune blättert, von anhaltendem Tiefdruck begünstigt. Doch das alles muß nicht sein, wie ein Blick in den literarischen Nachlaß Sepp Herbergers beweist. „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“, mehr Worte brauchte der Chef nicht, um seine Jungs erfolgreich zu reanimieren.

Während wir uns also mit Hilfe dieses elektrisierenden Mottos wieder auf Normalform hieven und unverzüglich in den neuesten Katalogen für den nächsten Urlaub blättern, platzt uns eine Bombe in die Planungsphase. Es handelt sich um eine Meldung aus der amtlichen chinesischen Tageszeitung China daily.

Sie kündet von einer Touristenattraktion im Reich der Mitte, die auch in Zeiten hoher Trendvergänglichkeit wohl bis zum frühen Spätherbst Originalität für sich beanspruchen kann. Es ist ein Schießstand für Urlauber.

Dem Vernehmen nach wurde die Anlage etwas nördlich von Peking plaziert und damit verkehrsgünstig in jedem Fall. Seinen eigentlichen Glanz erhält das Gelände jedoch durch die opulente Ausstattung der zur Verfügung gestellten Waffenkammer. Erholungsuchende, die genug haben von den verwirrenden Details der Ming-Gräber und der ermüdenden Länge der Großen Mauer, können hier zu Gewehren, Granatwerfern und Panzerfäusten greifen.

Das ist es. Hundertprozentig. Voller Abscheu denken wir an die Kirmesbesuche vergangener Tage. Eigentlich hat uns das Ambiente nie gefallen: Rollmöpse, Matsch an den Schuhen und immer dieser Ärger mit den krummen Flinten. Also nichts wie weg hier, ab nach Fernost, anmustern und ballern gehen. Welch kaiserliche Vorstellung: China – und den Finger ganz spielerisch am Abzug und nicht zwischen den Seiten irgendeines überdicken Reiseführers.

Kompliment also, auch wenn es sich bei dieser touristischen Offensive – sozusagen – natürlich zunächst nur um die Grundausstattung handeln kann, deren Ergänzung (U-Boote!) nur eine Frage der Zeit sein darf.

Und auch am Preis sollten die Verantwortlichen noch etwas tun. Umgerechnet rund vierzig Mark für zehn Schüsse mit dem Automatikgewehr, das scheint nun wirklich etwas überzogen. Nein, drei Schuß ’ne Mark und ein Herzschuß etwas mehr. Und am Abend, wenn die Panzerfäuste schweigen, dann wünschen wir uns Fackelfeuer und zum Ausklang stimmungsvolle Märsche.