Von Ulrich Stock

Kiel

Achtung! Achtung! Die folgende Polemik ist zur arglosen Lektüre nicht geeignet. Ganz einseitig wird die CDU kritisiert, SPD und Grüne dagegen stehen am Ende mal wieder ganz klasse da. Beschwerden über Text und Autor sind zu richten an: ZEIT-Chefredaktion, Speersort 1, 2000 Hamburg 1.

Kommen wir nach diesem Hinweis gleich zur Sache. Seit 37 Jahren regiert die CDU in Schleswig-Holstein. Dabei ist sie von den Zeitungen des Landes stets unterstützt worden. Eine war konservativer als die andere. Das Flensburger Tageblatt trug früher sogar den Ehrentitel Bayemkurier des Nordens. Nur mit dem NDR hatte die CDU immer wieder Probleme; wohl weil er nicht einem Parteifreund gehört, sondern öffentlich-rechtlichen Kriterien genügen muß.

Am 13. September wird nun ein neuer Landtag gewählt. Ausgerechnet jetzt haben vier NDR-Reteure – drei Männer und eine Frau – einen Wahlaufruf zugunsten des SPD-Spitzenkandidaten Björn Engholm unterzeichnet. Ihre Namen wurden auf Plakaten im Kieler Stadtgebiet entdeckt; zwei Namen trugen sogar den Zusatz NDR.

Die CDU reagierte prompt. Im parteieigenen Schleswig-Holstein Kurier veröffentlichte sie die Namen der vier, und der CDU-Parteisprecher Günter Kohl schrieb: "Die CDU Schleswig-Holstein ... lehnt diese Journalisten als befangen ab. Keiner von ihnen wird zur Wahlkampfberichterstattung über die CDU zugelassen. Ihnen, liebe Leser, empfehlen wir, bei dieser Dame und diesen Herren besonders genau zuzuschauen und zuzuhören, denn Pause vom Programm machen sie gewiß nicht. Falls Sie sich über parteiische Berichterstattung beschweren möchten, so können wir dies nur empfehlen. Hier die Anschriften: NDR-Landesfunkhaus Kiel, Wall, 2300 Kiel 1, und Norddeutscher Rundfunk – Intendanz –, Rothenbaumchaussee, 2000 Hamburg."

Moment mal: Wer beim NDR arbeitet und öffentlich bekennt, SPD zu wählen, darf über die CDU nicht mehr berichten? Ja, warum denn eigentlich nicht! Müßte man nicht gerade das verlangen: daß nur Nicht-Sympathisanten über eine Partei berichten – wegen der journalistischen Distanz? Diese Frage soll hier nicht beantwortet werden. Hören wir lieber das Jammern der schleswig-holsteinischen SPD: "Wenn ich mich weigern würde, mit CDU-Journalisten zu sprechen", sagt SPD-Sprecher Klaus Nilius, "würde ich 95 Prozent meiner Gesprächspartner verlieren." Nilius weiß, was Ausgewogenheit ist.