Frau Schick schickt uns eine wichtige „Vorab-Information“. Die neue Vogue, so teilt sie uns mit, beschäftige sich ausführlich mit dem Feminismus.

Mein Gott, denken wir erschrocken, hat diese Plage nun heimtückisch auch die vorletzte Bastion bildschöner Weiblichkeit befallen? Ist es so weit nach „20 Jahren Feminismus“, wie der Titel der Story lautet – ein journalistisch und historisch ehrgeiziges Projekt und viel Recherchiermut signalisierend?

Alle Achtung! Immerhin füllen feministische Theorie und Praxis mittlerweile ganze Bibliotheken, bestimmen Anspruch und Wirklichkeit zänkisch politische Tagesordnungen, überzieht ein dichtes Netzwerk frauenbewegter Machenschaften das patriarchale Land, nagen häßliche Zweifel an ordentlichen Verhältnissen.

Um diese verzwickten und ärgerlichen Folgen weiblicher Renitenz schlägt die Autorin Sabine Schwabenthan souverän einen Bogen und kommt zum Wesentlichen: Im gedanklichen Gebäude des Feminismus, so befindet sie, muß ein Wurm drin sein. Woran Vogue das erkennt? Es ist so naheliegend, ganz einfach! Frau Sch.: Die feine, doch deutliche Spur beweist es, die der Frust um Frauenmünder einkerbt. Sie muß von unerfüllter Liebe und abgewürgter Sinnlichkeit kommen. Feminismus – eine Krankheit also, heilbar obendrein!

Wir sind erleichtert, die Autorin kennt die Therapie: noch mehr für Schönheit und Sinnlichkeit tun! Frei nach Wilhelm Reich: „Frauen, werdet schön, sinnlich und lebensfroh – der Rest wird euch gegeben.“

Aber wie, liebe Frau Schwabenthan, wie denn! Verzweifelt blättern wir weiter in der Vogue und lesen: Die femme fatale ist wieder da. Verrucht, verflucht, geheimnisumwittert.

Das ist zu viel. Zum München, Tuttchen, Seelchen könnten wir es bei gehöriger Anstrengung vielleicht, vielleicht bringen – aber Circe und Cleopatra und Asta Nielsen? Das schaffen wir nie. Und sehen uns gezwungen, die feingekerbten Spuren um unsere Münder weiter in den kalten Wind der Freiheit zu halten.