Binnen weniger Stunden brachten Intriganten den Manager dazu, vom "seriösen Nachdenken" über seine Kandidatur zum "definitiven Nein" umzuschwenken. Höhepunkt des Ränkespiels war eben jener schamlose Anruf, mit dem FDP-Mann Kai Wünsche hinter dem Rücken des Wahlsiegen Ingo von Münch dessen Wunschkandidaten Erichsen wissen ließ, daß er einer einflußreichen liberalen Clique unwillkommen sei.

Jener Zirkel firmiert in der politischen Szene der Hansestadt als Feenteich-Kreis – am Feenteich im noblen Stadtteil Uhlenhorst domiziliert Kai Wünsche, der auch dem dortigen FDP-Kreisverband vorsteht. Exponenten dieser Clique sind neben Wünsche der wirtschaftspolitische Sprecher der Hamburger Liberalen, Frank Michael Wiegand, sowie der Fraktionsvorsitzende Wilhelm Rahlfs – der hatte gleich nach der Wahl, nicht eben sehr hanseatisch, aber beeindruckend dynamisch und zupackend, wissen lassen, daß er niemanden als sich selbst für den geeigneten Chef des Wirtschaftsressorts halte. Nach Erichsens Verzicht war Rahlfs als Senator nicht mehr zu vermeiden.

Womöglich wären die Ränke der Feenteicher noch entschuldbar gewesen, wenn irgend so etwas wie politische Überzeugung sie geleitet hätte. Wünsche, Wiegand und Rahlfs – sie alle sind stramm rechte Wirtschaftsliberale im Geiste des Markt-Grafen Lambsdorff. Daß sie den linksliberalen Hochschullehrer von Münch, der ihnen mit unkonventionellen, populären Auftritten den Wahlsieg besorgt hat, nicht eben lieben, könnte man ihnen nachsehen. Doch von Münchs Schachzug, einen Manager in den Senat zu holen, hätte die Wirtschaftsliberalen eigentlich begeistern müssen – Otto Graf Lambsdorffs Unterstützung für Erichsen kam ja nicht von ungefähr.

Nicht politische Neigungen aber ließen die Wirtschaftsliberalen ihre Ränke schmieden, sondern schiere Postengier und nackter ökonomischer Eigennutz. Zu viele Parteikarrieren hätte der

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Wirtschaftssenator Erichsen durchkreuzt.

Weil Wilhelm Rahlfs in den Senat einzieht, wird für den ehrgeizigen Frank Michael Wiegand der Posten des Fraktionsvorsitzenden frei. Kaufmann Kai Wünsche, dem in der Partei gar mancher verpflichtet ist, sieht mit Gefallen einen Mann seines Vertrauens an der Spitze der Wirtschaftsbehörde. Vom liberalen Hamburger Bundestagsabgeordneten Rainer Funke, in Bonn stets wacker auf Lambsdorff-Linie, hätte man Unterstützung für den Münch-Plan erwarten dürfen. Doch er hielt sich zurück, weil er die Stimmen der Parteirechten für seine Wahl zum Landesvorsitzenden braucht – Ingo von Münch muß diesen Posten laut Parteisatzung räumen, weil er Senator wird. Und schließlich noch Wilhelm Rahlfs selbst.