DIE ZEIT

Gift der Gewalt

Die Taten gleichen sich, doch niemand kennt die Täter: Am Dienstag schossen Attentäter einem Berliner Richter in die Beine. Der Anschlag auf Günter Korbmacher gleicht dem Überfall, der im Oktober vorigen Jahres auf Harald Hollenberg verübt wurde, den Leiter der Ausländerbehörde beim Berliner Landeseinwohneramt.

Reklame

Selten ist Scheckbuch-Journalismus im Zusammenhang mit einem Ereignis der Zeitgeschichte so schamlos offen praktiziert worden wie im Fall des jugendlichen Moskau-Fliegers Mathias Rust.

Grenzen der Macht

Niemand hätte dies für möglich gehalten: Drei Wochen lang haben die schwarzen Minenarbeiter Südafrikas den Streik durchgestanden.

Feuer im Golf

Im Golf brennen erneut die Tanker. Wieder ist es der Irak, der mit gezielten Schlägen versucht, die Iraner aus der Reserve und die Amerikaner in den Konflikt hineinzulocken.

Deutschland: gedoppelt, nicht getrennt?

Es ist gut, sich gegen Überschwang zu wappnen: Der Besuch Erich Honeckers in der Bundesrepublik und das "Papier" der SPD und der SED über den "Streit der Ideologien und die gemeinsame Sicherheit" werden die Welt der Deutschen nicht grundstürzend verändern.

Zu Krupps, nicht zu Krauses

In Wiebelskirchen wird sich Erich Honecker an seine Kindheit erinnern. In Essen, wo er 1933/34 die kommunistische Jugendorganisation leitete, wird er sich Erinnerungen an diese Zeit versagen.

Worte der Woche

"Ich will unmißverständlich klarstellen, daß es für diese Aussage des Kanzlers keine Koalitionsvereinbarung gibt und jeder Koalitionspartner nur für solche Entscheidungen eine Verantwortung übernehmen kann, die zuvor in der Koalition festgelegt worden sind.

Zeitspiegel

Im Iran wird die Bahá’í-Gemeinde, die dem schiitischen Fundamentalismus ein Dorn im Auge ist, schon seit acht Jahren gezielt verfolgt.

Alte Feindschaft rostet nicht

Als war’s ein neuer Kanzler: "Was ich hier tue, und zwar ganz bewußt auch als Bundeskanzler im Rahmen meiner Kompetenz, ist, einen Anstoß zu geben, daß in diesem Jahr diese Verhandlung zum Abschluß kommt.

Israels Flugzeugträume: Gewogen und zu schwer befunden

Die Israelis sind längst Demonstrationen gewöhnt – von streikenden Arbeitern und Angestellten, die höhere Löhne fordern, von Ultraorthodoxen, die in Jerusalem die Schließung der Kinos am heiligen Sabbat verlangen.

Abrüstung: Am Ende des langen Tunnels

Jetzt kommt noch einmal die Stunde der Diplomaten. Seit 1981 verhandeln Russen und Amerikaner in Genf über die Abschaffung der Mittelstreckenraketen, nun sind sie fast am Ziel.

1. Moharram 1408 Anno Hegirae

Am Dienstag voriger Woche erhoben sich die Bürger der 1,2-Millionenstadt Dschidda um 4.41 Uhr zum fadschr, dem Morgengebet der Gläubigen.

Ben Witter:: Angetippt

Das Abitur hat er jetzt, seine Haare stehen nicht mehr hoch wie ein geschwollener Kamm, der Mittelscheitel beruhigt die Frisur, und Torsten S.

BONNER BÜHNE: Kanzlers Paukenschlag

Es ist also wieder losgegangen – und wie. Selbst altgediente Bonner Schlachtenbummler können sich nicht erinnern, daß eine Sommerpause je so abrupt beendet worden ist – wenn sie denn diesmal, angesichts des so zähen und giftigen Richtungsstreits in der Union, überhaupt eine Pause war.

Philippinen: Macht auf wackligen Beinen

Sie zogen aus, um die philippinische Regierung zu stürzen: Etwa 1200 Mann wollten am Freitag vergangener Woche den Amtssitz von Präsidentin Corazon Aquino und die staatliche Rundfunkstation Channel 4 stürmen.

SDP: Ehrlicher Makler für die Krise

Ein mitreißender oder gar charismatischer Parteiführer ist dieser Robert Maclennan nun wirklich nicht; schon gar nicht kann er dem Vergleich mit seinem Vorgänger standhalten.

Seoul: Verfassungsreform

Alles steht, nur der Anhang fehlt." Choi Young Choul von der regierenden Demokratischen Gerechtigkeitspartei (DJP) gab sich zuversichtlich.

Das Ende einer Scheinfirma

Wer die Telephonnummer (05 71) 71 01 54 in Porta Westfalica wählt, muß sich von einer weiblichen Stimme sagen lassen: "Kein Anschluß unter dieser Nummer.

Einen Hafen bauen nur aus Trotz?

Sonst ist es weniger vergnüglich in der ostfriesischen Hafenstadt an der Mündung der Ems: Die Arbeitslosenquote liegt bei zwanzig Prozent.

Aus dem Leben eines Fabeltiers

Parvenu, Diktator, Psychopath: Wilhelm II. – eine Charakterskizze des letzten deutschen Kaiseis (1. Teil)

"Das ist zuviel Fummelei"

Ein Streitgespräch zwischen Otto Graf Lambsdorff und Lothar Späth über die Rolle des Staates in der Wirtschaftspolitik

Steuern: Profitable Prüfung

Ist das nun eine Erfolgs- oder Katastrophenmeldung? Von den annähernd 177 000 Unternehmen, die im vergangenen Jahr einer Steuerprüfung unterzogen wurden, kamen nur 15 Prozent ohne Nachforderung davon.

Bayern: Staatliche Privatisierung

Ein halbes Jahr lang stritt er sich unter Ausschluß der Öffentlichkeit mit Wirtschaftsminister Martin Bangemann um die Sache, jetzt ist der Vorgang publik geworden: Franz Josef Strauß ist wieder einmal als Konzernschmied unterwegs.

Gunhild Lütge:: Das Klima ist längst verseucht

Wenn alles so kommt, wie es Europas Kommissare in Brüssel wollen, dann wird den deutschen Umweltminister beim nächsten nuklearen Unfall die tonnenschwere Last nicht mehr drücken: Die in Waggons immer noch zwischengelagerte radioaktive Molke könnte ohne Probleme verarbeitet werden, zum Beispiel in Schokolade, statt als Abfall – ähnlich wie atomarer Müll – entsorgt oder entseucht werden zu müssen.

Bonner Kulisse

Was unternimmt ein Bundesland, wenn es seine Bereitschaft demonstrieren will, "weiter eine positive europäische Entwicklung und Integration zu fördern, die den Interessen seiner Bürger gerecht wird"? Es macht ein Kontaktbüro bei der Europäischen Gemeinschaft auf.

Zeit und Geld: Angebote für Tunnelfreunde

Privatanleger können sich am Tunnelbau zwischen Frankreich und England beteiligen. Insgesamt hat ein internationales Bankenkonsortium rund fünfzehn Milliarden Mark für das Untertunneln des Ärmelkanals bereitgestellt, die Japaner sind mit dreißig, die Deutschen mit knapp dreizehn Prozent beteiligt.

Markt-Report: Chemie in Mode

Als Störfaktor hat der Dollar seine Rolle noch längst nicht ausgespielt. Längerfristig ist er aber nicht mehr allein tendenzbestimmend.

Ein kapitalistisches Experiment

Ausländische Touristen werfen kaum einen Blick auf das dreistöckige Haus in der Xi-Kang-Straße in Shanghai. Nur zufällig, so mögen sie glauben, steht ein paar Stufen höher vor der geöffneten Eingangstür ein Soldat in seiner grünen Uniform, und auch die miteinander schwatzenden Chinesen um ihn herum fallen in der belebten Einkaufsstraße nicht weiter auf.

MANAGER UND MÄRKTE

Er sollte der ganz große Renner der diesjährigen Funkausstellung werden, doch der Kassettenrecorder für das digitale Tonband war plötzlich nur noch ein am Rande berührtes Gesprächsthema auf der größten europäischen Branchenschau in Berlin.

Ermutigende Beispiele

Gramke: Wir haben im Ruhrgebiet eine Vielzahl von Dienstleistungsangeboten und Produkten, die viele in einer Montanregion überhaupt nicht vermuten.

ZEITRAFFER

Über stattliche Mehreinnahmen kann sich der Staat freuen: Betriebsprüfungen der Finanzämter bei Betrieben, Freiberuflern und Bauherrengemeinschaften erbrachten 9,4 Milliarden Mark mehr Steuern in die Kassen der öffentlichen Hand.

LÄNDER IM VERGLEICH

Sowohl bei der Arbeitslosenquote wie auch bei den Verbraucherpreisen ist in vielen Ländern eine Wende zu beobachten: Die Zahl der Arbeitslosen, gemessen an der Zahl der Erwerbsfähigen, wächst bereits wieder, so in der Bundesrepublik, in den Niederlanden und in Italien.

Bremen in Not: Alle Mann an Deck

Der Roland zu Bremen, jenes trutzige Wahrzeichen der Marktfreiheit, die diese Stadt über Jahrhunderte mit Gewinn zu nutzen verstand, ist mit bunten Luftballons geschmückt.

Reiner Kunze: Dennoch willkommen

Erich Honecker repräsentiert eine Gesellschaft, die, wie Camus es formuliert, "auf Grund ihrer Wesensart den Freund zwingt, den Freund auszuliefern".

Wolf Biermann: Mir nach! Mir nach!

Mit der vorgezogenen Amnestie haben Sie gute Luft für Ihren Besuch gemacht, und hier drüben wird kein Aas Sie peinlich mit der Frage behelligen, ob die Amnestierten ihrerseits Ihnen eine Amnestie gewähren.

Zeitmosaik

Das Herrentum, früher in den Machtzentren der Höfe eingekapselt, scheint sich nach deren Öffnung als eine seltsame dünne Soße über das ganze Volk ergossen zu haben, um Abertausende kleiner Herren sprießen zu lassen: Die Bohne heißt "Prinzeß", die Kartoffel heißt "Herzogin", der Hosenträger heißt "Privileg", das Rasierwasser heißt "Prestige", der Sekt heißt "Fürst", und der Kühlschrank heißt "Monarch".

Günter Kunert: Guter König

Um eine berühmt gewordene, aber nicht nur selbstbekennerische Sentenz von Karl Kraus zu variieren: Zu Honecker fällt mir mancherlei ein.

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