Erwartungsgemäß am meisten verschmutzt ist die flache Adria, in die große Flüsse jährlich unzählige Tonnen Fäkalien, Nitrate (von Wasch- und Düngemitteln), organische Abfälle, Quecksilber, Blei und vieles andere spülen. Als überdurchschnittlich verschmutzt erwiesen sich die mittlere Adria um Ancona sowie die Umgebung der Häfen an der apulischen Küste.

An der toskanischen Küste, wo 292 Wasserproben entnommen wurden, war jeder zehnte Strandabschnitt als "zum Baden nicht gegeignet" befunden worden. Um Rom und Neapel ist die Situation besondern kritisch. Wenn in Ostia an heißen Tagen 20 000 Menschen ins Wasser steigen, riskieren statistisch 600 wegen der Wasserverschmutzung eine Gastritis.

Der Golf von Neapel gilt seit Menschengedenken als Kloake. Kläranlagen gibt es zwar, aber eine, jene bei Cuma, verschmutzt das Meer durch fehlerhaftes Funktionieren eher noch zusätzlich. Auch den sizilianischen Regionalbehörden werfen die Umweltschützer unzureichendes Bemühen um sauberes Wasser vor – insbesondere zuwenig Kontrollen.

Gute Noten bekamen die sardinischen Beamten. Nur um Cagliari im Süden ist das Wasser etwas verschmutzt. In anderen Bereichen hat es die Qualität, die nach den EG-Normen ab 1992 überall sein müßte. Besonders gefiel hier der "Lega Ambiente", daß die Regionalregierung viel für den Strandschutz tut.

Die Fremdenverkehrsstatistik dieses Sommers könnte jedoch auch die Behörden in anderen italienischen Regionen auf Trab bringen. Wie die Zeitung Stampa berichtet, sind fünf Prozent weniger Urlauber an die Adria gekommen. Die Zahl der jüngeren Touristen aus Deutschland nahm sogar um 35 Prozent ab. Hauptgrund nach der Zeitungsumfrage: neben den steigenden Preisen vorwiegend die zunehmende Meeresverschmutzung.

Karl Heinz Reger