Oder auch: So unangenehm es dem Präsidialamt in Wien ist, das Kind liegt im Brunnen: Der Münchner Kabarettist Ottfried Fischer hat für die Zeitschrift Wiener bei Kurt Waldheim angerufen, sich als Franz Josef Strauß ausgegeben, dessen Stimme imitiert und Auszüge aus diesem Gespräch veröffentlicht. Es handelt davon, wie der falsche Strauß privat vorfühlt, ob Waldheim nicht in einer Kutsche mit ihm zur Eröffnung des Oktoberfestes einziehen wolle, wie der echte Waldheim zunächst zögerlich, dann aber freudig darauf eingeht, ja, ja, das ist sehr lieb ... ö ... die Frage sei, wie man das mit Bonn abstimme; wie er die Anschuldigungen gegen ihn zurückweist, da könne man sonst die ganze deutsche Wehrmacht auf die watch-list setzen.

Wie immer man zu dem Coup und bösen Scherz steht – ich stelle mir vor, wenn man den Text im Kabarett hören würde, würde man den Ottfried Fischer fragen, ob er es denn nicht eine Nummer kleiner hätte, sonst glaube solche Überzeichnungen doch keiner.

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Es wird höchste Zeit zu fragen, was Norbert Blüm (und Heiner Geißler) in Sachen Aufnahme der 14 von der Todesstrafe bedrohten Chilenen erreicht haben. Der Alltag sieht so aus: Aus Santiago berichten die Abgeordneten Freimut Duve und Renate Schmidt (SPD), es bestehe dringender Handlungsbedarf, die Bereitschaft zur Aufnahme jetzt zu erklären; möglichst viele Länder sollten sich daran beteiligen. Ein Teil der Inhaftierten befindet sich in Hungerstreik.

Aus Santiago läßt der Abgeordnete Günther Müller (CSU) wissen, was immer feststand für ihn: Sie hätten "terroristische Anschläge" verübt und eine Bereitschaftserklärung sei nicht nötig.

Norbert Blüm mahnt inzwischen lautstark Menschenrechte auch in der DDR und bei Erich Honecker an, was nicht inkonsequent ist und durchaus auch sein gutes Recht. Aber noch einmal: Was hat er in der Union und der Regierung für die 14 Chilenen wirklich erreicht?

Gunter Hofmann