Da haben wir also zwei glimmernde Stars, vier lärmende Musiker, viele Chargen, irgendwie auch einen Text; dazu ein wirres Holzgestänge als Bühnenbild, auch das von Minks. Aber aus den vielen Einzelteilen wird niemals ein Zusammenhang und auch nirgendwo das Gegenteil – das spannungsreiche Chaos. Wenn Minks Shakespeare inszeniert, explodiert kein Sprengstoffpaket, sondern bloß eine Wundertüte.

Denn den nächsten, den vielleicht rettenden Schritt wagt unser Regisseur auch nicht: die Befreiung des Spektakels ins wilde, zerstörerische Kinderspiel. Über „König Ubu“ zu Shakespeare zurück. Ein Rest von dumpfem Pathos, trüber Rechtschaffenheit klebt an den meisten Szenen; statt, wenn schon, das Stück entschlossen kleinzuhacken, folgt man einer diffusen Sehnsucht nach „Größe“. Täuscht Leidenschaften vor – lautstark und leibesschwer, wie’s Brauch ist auf den deutschen Bühnen.

Macbeth preßt sich die Königskrone ans Geschlecht, wenn er seine Kinderlosigkeit beklagt. Die Lady, wahnsinnig geworden, schleudert die Blechschüssel in die Ecke. Der Schauspieler Christian Redl (Banquo und viele andere Rollen) rammt sein Riesenschwert zornig in die Bühnenbretter, bevor er zum Monolog ansetzt. Doch das alles ist Täuschungsmanöver, heuchelt nur Erregung – in Minks’ Theater droht den Menschen keine Gefahr, von außen nicht und erst recht nicht von innen. Daß sie schlecht schlafen, noch schlechter träumen – wer sollte es ihnen glauben?

Auch „Laibach“ ändert nichts. Der Auftritt der Musiker (über deren angeblich faschistoide Aura, angeblich terroristische Kraft vorher mächtig geraunt worden war) bleibt Zutat, bloße Behauptung. Sie machen viel Krach, aber wenig Angst und Schrecken. Sie bleiben Fremdlinge in einem sonst doch eher harmlos-behäbigen, herzensschlichten Spektakel. Sie kommen nicht aus der Ferne (und schon gar nicht aus Shakespeares Land); sie sind ganz einfach der Überraschungsgast bei einer lauten und ziemlich lausigen Party, bei der Macbeth den lustigen Onkel gibt, die Lady die gestrenge Tante. Eine Fete, bei der keiner ernstlich zu Schaden kommt, außer vielleicht einer, aber der ist erstens tot und wird es zweitens überleben.

Wie eben schon Brecht so richtig über seinen „Wilhelm“ sagte: Shakespeare ist absoluter Zoff.

Mit weiteren Aufführungen des Hamburger Schauspielhauses ist noch in dieser Spielzeit zu rechnen. Benjamin Henrichs