Das Beste kam, wie oft in Konzerten, zuletzt. Die Zugabe! Als alles vorüber war, die Schauspieler (wie üblich) ihren Jubel gekriegt hatten, der Regisseur (wie üblich) sein Wutgeheul, als der Beifall schon zu verenden drohte, da passierte dieses:

Noch einmal wurden die vier finsteren Herren der Rockgruppe „Laibach“ auf ihren chromglänzenden Wehrtürmen auf die Bühne gefahren, noch einmal exekutierten sie mit starren Gesichtern und steifen Gliedern ihren ohrenzerfetzenden Auftritt (Musikmaschinen machen Maschinenmusik), der Zuschauer dachte an nichts mehr, nur noch an Flucht... Da kam Minks.

Der Regisseur erklomm „Laibachs“ Zinnen, entwand einem Musikanten sein Schlaginstrument (das einer Klobürste nicht unähnlich sah) und bearbeitete damit ekstatisch den großen Gong, der über den Häuptern der Kapelle schwebte. Und Minks schlug, bis er nicht mehr konnte. Und die Herren „Laibach“ aus Laibach nahmen den irren, rührenden Auftritt mit denselben steinernen, stumpfen Gesichtern zur Kenntnis, mit denen sie den ganzen Abend über ihren Dienst verrichtet hatten.

Ein Höhenrausch und die gleichmütige Arbeit der Gewalt: Keine Szene in den drei Stunden zuvor war mehr von Shakespeare als diese.

Denn der Regisseur Minks war auch an diesem Abend von allen guten Geistern verlassen (und, was bei „Macbeth“ schwerer wiegt: von allen bösen auch).

Dabei hatte er die wahrscheinlich weitbeste Besetzung für das Drama: Ulrich Wildgruber und Jutta Hoffmann spielten das königliche, mörderische Paar.

Und wirklich zeigten die beiden herrlichen Künstler, wer sie sind und was sie können; sie hielten die Aufführung auf einer trügerischen Höhe, bewahrten sie vor Absturz und Höllenfahrt. Aber was spielten sie wirklich? Spielten sie wirklich etwas? Oder sahen wir bloß einer Simulation zu: zwei Könnern, die sich aus der Affäre ziehen, statt sich ernstlich auf sie einzulassen?