Ein einunddreißigjähriger Akademiker leitet den Gesamtbetriebsrat von BMW

Von Karl-Heinz Büschemann

Wie sieht ein Arbeiterführer aus? Nach gängigen Klischees groß und breitschultrig. Er braucht vor allem einen klugen Kopf und eine mitreißende Rhetorik. Überzeugen muß er mit Geist und Charisma zugleich.

Gilt das auch für Manfred Schoch, den frisch gekürten Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrates der Bayerischen Motorenwerke AG (BMW)? Immerhin vertritt dieser Mann seit einigen Wochen die Interessen von fünfzigtausend BMW-Arbeitern und -Angestellten, die in den fünf deutschen Werken München, Dingolfing, Landshut, Regensburg und Berlin Autos, Motorräder und Motoren bauen und sie über elf Niederlassungen in der Bundesrepublik vertreiben. Die Antwort ist nein – eindeutig. Manfred Schoch paßt nicht in dieses Bild. Mit gerade 31 Jahren und seiner randlosen Brille wirkt der schlanke Schoch eher wie der nette junge Mann von nebenan, der sein Geld als Angestellter einer Bank verdienen könnte. Außerdem hat er nie als Arbeiter ein BMW-Werk von innen kennengelernt. Schoch kam erst nach dem Studium zu BMW.

So einer soll nun plötzlich einen Konzern-Betriebsrat anführen und dem mächtigen Vorstandsvorsitzenden Eberhard von Kuenheim ein respektierter Gesprächspartner sein. Einer aus den Reihen des Münchener Betriebsrates hat vorsichtige Zweifel: „Jeder muß selbst wissen, ob er sich das zutraut, ohne das Wissen, das er nur haben kann, wenn er die Ochsentour hinter sich hat.“

Obwohl er auf dem Weg zur Betriebsratsspitze im Vergleich zu anderen eine Abkürzung nahm, traut sich der junge Mann, der seit Juli den Betriebsrat des Werkes München sowie den Konzernbetriebsrat anführt, diese Aufgabe ohne erkennbaren Zweifel zu. Zur leichten Beute der Geschäftsführung will er sich nicht machen lassen, bloß weil er Jahrgang 1955 ist und weil er mit Kurt Golda einen geradezu legendären Vorgänger hat. Und damit auch das klar ist: „Ich habe die Absicht, diesen Job längere Zeit zu machen.“

Ohne Macherattitüde