Von Birgit Dankert

Durch einen alten Schrank betreten vier Geschwister – zwei Jungen und zwei Mädchen – das geheimnisvolle Land Narnia. Gebannt durch den bösen Zauber einer Hexe, ist Narnia zu ewigem Winter erstarrt. Die Kinder folgen einem Ruf, der sie – unterbrochen von kurzen Verschnaufpausen in der Wirklichkeit – immer wieder in den Bann einer anderen Zeit und Bewußtseinssphäre zieht. Befreit von den Zwängen durch Raum, Zeit und Kausalität, aber streng gehalten an abendländische Moral, taumeln die Geschwister von Abenteuer zu Abenteuer. Christliche Heilslehre, klassische und mittelalterliche Mythologie und Allegorie, Fabeln und Märchen bilden die Elemente des Kampfes zwischen Gut und Böse, der in Narnia stellvertretend für die Kriegszeit der Rahmenhandlung und die inneren Kämpfe der Kinder stattfindet.

Während J.R.R. Tolkien mit seiner Trilogie "Der Herr der Ringe" nicht so recht vorwärtskam, schrieb sein als Wissenschaftler berühmterer Kollege Clive Staples Lewis zwischen 1950 und 1957 mit den sieben Bänden seiner "Narnia"-Serie ein Haupt- und Meisterwerk englischer Fantasy für Kinder. Die deutsche Übersetzung der ersten Bände stammt noch von Lisa Tetzner, der inzwischen fast legendären Vertreterin sozialkritischer Jugendliteratur. Lebenslang mit dem Märchen beschäftigt, findet sie die richtige Balance zwischen Märchenton und Abenteuerstimmung.

Der Deutsche Taschenbuch Verlag beginnt in diesem Herbst mit dem Abdruck der von Rolf Rettich heiter-hintergründig illustrierten Ausgabe des Betz-Verlages – gerade im richtigen Moment, um einer Flut läppischer Phantasie-Geschichten ein mitreißendes Lese-Abenteuer entgegenzuhalten.

Pu ist ein Bär von geringere, ja manchmal offensichtlich ohne Verstand – aber Kinder jeden Alters lieben ihn, seit der englische Journalist und Autor A. A. Milne 1926 im Londoner Methuen-Verlag die Geschichten um den als Spielzeug gerade in Mode gekommenen Teddybären seines kleinen Jungen Christopher Robin veröffentlichte. Die scheinbar simplen, mit einfachster Grammatik und liebenswürdigen Dialogen sorgfältig kaschierten Episoden von kindlicher Egozentrik und Zärtlichkeit wurden in der englischsprachigen Welt zu einem Klassiker der Kinderliteratur.

Christopher Robin darf dabei den überlegenen Gönner, Helfer und Beschützer spielen. Denn für die niedrigen Instinkte, die kleinen Schwächen und Bosheiten, auch für das Risiko und die Angst bleiben seine Spielzeugtiere als variationsreiches Alter ego von Hauptperson und kindlichen Lesern zuständig.

"Winnie – The Pooh" erschien schon 1928 in deutscher Sprache. Aber die Übersetzer wagten zunächst nicht, die doppelte Rahmenhandlung und die an englischem Humor, englischer Erziehung orientierten Wortspiele und Verse ungekürzt, unverändert zu übernehmen.