Klaus Bölling fragt sich, ob die Runde überhaupt an die Männer und Frauen und an die Kinder an Bord gedacht habe.

Helmut Schmidt war fest entschlossen zurückzutreten, falls ...

Um 0.05 Uhr in Mogadischu zünden die Blendgranaten, die die Terroristen für sieben Sekunden lähmen sollen. „Aktion Feuerzauber“ beginnt. Die vier Luftpiraten sind glücklicherweise eingelullt vom langen Dialog mit dem Tower, wo Wischnewski waltet, und sie sind entspannt dank der Aussicht, daß die deutsche Regierung nachgegeben hat. Um 0 Uhr 12 spricht Wischnewski seinen klassischen Satz in die wieder intakte Standleitung nach Bonn: „Die Arbeit ist erledigt.“ Passagiere heil, ein Verletzter unter 30 GSG-9-Männern, drei tote Terroristen, eine schwerverletzte Terroristin. Im Bundeskanzleramt herrscht riesige Erleichterung. Helmut Schmidt geht ins Nebenzimmer. Die Angst löst sich in Tränen. Der Mythos von Mogadischu ist geboren.

Ein beklemmender Triumph. Was würden die Schleyer-Entführer denken? Da die Regierung insgesamt 120 Menschenleben aufs Spiel zu setzen gewagt hatte, gab es keine Frage mehr, wie sie im Fall Schleyer handeln würde.

Als die GSG 9 nach getaner Arbeit wieder in Bonn landete, da hatten die drei Stammheimer schon wahrgemacht, wovon sie erst in Andeutungen und dann unmißverständlich gesprochen hatten. Sie müssen die Nachricht aus Mogadischu ziemlich schnell mitbekommen haben. Über die Gegensprechanlage konnten sie sich ein letztes Mal verständigen. Am Morgen des 18. Oktober lag Raspe auf seinem Bett. Von der linken Schädelseite rann Blut. Er lebte noch anderhalb Stunden. Andreas Baader lag auf dem Zellenboden, den Kopf in einer Blutlache: tot Gudrun Ensslin hatte sich erhängt.

Drei Selbstmorde in Stammheim, zwei Pistolen im berüchtigten Sicherheitstrakt – die Legende vom Mord an den „Staatsfeinden“ im deutschen Herbst war geboren.

Gegenüber Alfred Klaus hatte Baader erwähnt, der Selbstmord werde ein Fanal sein und dann erst werde die Republik erfahren, was Terrorismus bedeute. Die Schleyer-Entführer haben die Selbstmord-Nachricht als Fanal verstanden. Noch am selben Tag, nur wenige Stunden nach den Stammheimer Selbstmorden, brachten sie Hanns Martin Schleyer um. In einem Audi 100, abgestellt im elsässischen Mülhausen, fand man die Leiche. Dazu die 25. Nachricht der Mörder: „Wir haben Hanns Martin Schleyers klägliche und korrupte Existenz beendet. Wir werden Schmidt und dem ihn unterstützenden Imperialismus nie das vergossene Blut vergessen. Der Kampf hat erst begonnen.“