Daß die 1945 geborene, seit 1977 in der Bundesrepublik Deutschland lebende Autorin ihr schriftstellerisches Handwerk in der DDR gelernt hat, ist ihrem ersten Jugendbuch deutlich anzumerken. Die Vitalität in der Diktion des jugendlichen Helden, die Vorliebe für Parallel-Verbindungen zu Personen deutscher Geschichte und Literatur (hier Jakob Wassermanns Kaspar-Hauser-Interpretation) und nicht zuletzt das Motiv der moralisch integren Vertrauensperson (der dialektisch argumentierende Theater-Autor Paul ersetzt den alten Kommunisten der ersten Stunde) zeugen davon.

Für die Darstellung der DDR im bundesrepublikanischen Jugendbuch ist Franziska Groszers Text außerordentlich interessant. Die für Leser ab etwa zwölf Jahren verständliche Milieu-Studie kritischer Intellektueller in Ost-Berlin wurde im Medienangebot für Kinder und Jugendliche bisher gänzlich ausgespart.

Realistische Jugendliteratur verzichtet zugunsten leichterer Zugänglichkeit weitgehend auf Verschlüsselungen. Daher begegnet dem Leser Kritik an der DDR hier unverblümter als anderswo – befördert durch Olis jugendliche Unbedingtheit, seine persönlichen Verluste, die Hilflosigkeit des noch Unmündigen. Fatal, wenn daraus die Konsequenz gezogen würde, Wert oder Unwert des Buches an der eigenen politischen Überzeugung zu messen. Zweifellos gehört „Rotz und Wasser“ zu den Geschichten, die Gefahr laufen, von falscher Seite beklatscht zu werden. Sie ist weder Abrechnung noch Material zum Systemvergleich Ost-West.

Franziska Groszer zeigt Grenzsituationen jugendlicher Erfahrung, die in deutsch-deutscher Wirklichkeit eben auch von Staatsgrenzen markiert werden. Dafür erhält sie am 10. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse den mit 20 000,– DM dotierten Erich-Kästner-Kinder- und Jugendbuchpreis. Der Atrium Verlag hat ihn aus Anlaß seines fünfzigjährigen Bestehens gestiftet.

Birgit Denkart

Der Eisenmann – keiner weiß, woher er kam – marschiert auf das Kliff zu, stolziert mechanisch über den Rand und stürzt langsam nach unten.

„Langsam stürzen“? Das metallische Monster zeigt gleichsam seine Erhabenheit sowohl über Naturgesetze wie auch über die Sprache. Dieser eigenwillige Umgang mit Begriffen entspricht dem Verhältnis des Autors zu Gesetzmäßigkeiten schlechthin. Hughes ist ein scharfer Beobachter der physischen Realität, aber er verdichtet seine Wahrnehmungen in einem symbolträchtigen Stil.