Der britische "Iron Man" (der amerikanische Verlag steigert ihn zum "Iron Giant") folgt dem Grundmuster des Drachentöter-Märchens. Doch für Hughes, dessen Naturlyrik wegen ihrer Gewaltdarstellungen verschiedentlich abgelehnt wurde, kann die Vernichtung des Monströsen keinen Sieg bedeuten. So ist das mittlere der fünf Kapitel die Geschichte vom Wiedererwachen des Eisenmannes und seiner Integration in der Menschenweit. Zuvor wird er von Hogarth, dem kindlichen Retter, gezähmt; und später tritt der einstige "Drache" selbst wie ein Ritter Georg auf.

Ein Motiv-Eintopf also, aber ohne jede Spur von eklektischem Beigemüse aus der modischen Fantasy-Küche. Hughes baut auf die Kraft seiner Sprache, auf die Prägnanz seiner Bilder. So entstammt der Eisenmann augenfällig einer Werktradition, die sich durch Tiergestalten auszeichnet, welche gleichzeitig das Animalische und das Geistige verkörpern. Als die Trümmer des Eisenmannes am Fuß des Kliffs liegen, beginnen sie sich einzeln zu bewegen. Aus der Verbindung von Hand und Auge wächst letztlich wieder der Riese hervor: ein organisches Wesen.

Entsprechend nützt es wenig, ihn unter einem Erdhügel zu begraben. Im folgenden Frühjahr bricht er mit neuer Kraft hervor; und erst die genüßliche Verpflegung dieses Eisenfressers auf einem Schrottplatz bringt die allseits befriedigende Lösung: das gebändigte Naturwesen als die sinnvoll genutzte Technik.

Dieser Doppelcharakter wird vollends deutlich, wenn der gutmütige Riese in der zweiten Hälfte den Kampf gegen den "Weltraum-Fledermaus-Engel-Drachen aufnimmt. Stellvertretend für alle dadurch entlarvten Machtinhaber tritt Eisenmann als Winzling auf im Mutproben-Duell mit diesem Ungeheuer, das auf Australien landend den ganzen Kontinent zudeckt. Der Sieg des unscheinbaren, eigentlich aber gigantischen Helden und die Verbannung des Übeltäters in das Firmament beschließen die mythologische Erzählung.

Neben formelhaften Wiederholungen bestimmt gelegentlich ein lyrikverwandter Zeichenfall die Atmosphäre: Archaisches und Artifizielles auch im Satzgefüge. Erstaunlich ist allerdings, wie Hughes neben diesen Stilmitteln auch einen leichten, manchmal charmant lapidaren Ton anschlägt.

Die schmunzelnde, Pathos verhindernde Sachlichkeit ist wohl (mehr als Archetypen-Jäger wahrhaben wollen) mitverantwortlich für den anhaltenden Erfolg des "Iran Man" in Großbritannien.

So erhielt das 1968 erschienene Buch im letzten Jahr den Emil Award, den Preis für "moderne Kinderbuchklassiker". Allem Anschein nach ist der Otto Maier Verlag dadurch auf den Titel aufmerksam geworden. Nun eröffnet er die neue Reihe "Leseabenteuer-Bücher für 1001 Tage".