Der Basler Verlag Helbing und Lichtenhahn, hauptsächlich Editor von Koryphäen der Juristischen Fakultät an der Universität Basel, hat zwei immer noch lesenswerte, aber auf Tageszeitungspapier längst vergilbte Arbeiten zweier Journalisten neu und ansehnlich herausgebracht. Die eine stammt von Ernst Müller-Meiningen jr., jahrzehntelang Justiz- und Zeitkritiker bei der Süddeutschen Zeitung. Müller-Meiningen konnte als Journalist gleich nach dem Krieg unbelastet für einen demokratischen, humanen und rechtsstaatlichen Wiederanfang schreiben, Zeit und Stimmung erlaubten einen durchaus unausgewogenen, zupackenden und kurzweiligen Journalismus.

Die Frische der Aufsätze nach 1946, „als der Krieg zu Ende war“, ist noch heute verblüffend. „Vom schwierigen Umgang mit der Vergangenheit“, über die alten Militärstiefel, über die NS-Größen, die Sieger, die Justiz, die Presse der fünfziger und sechziger Jahre schrieb Müller-Meininger ganz unbekümmert. Aber da ist auch Nachdenkliches, etwa über die Ausgewogenheitssprüche eines Intendanten des Bayrischen Rundfunks von 1961 („Mindestmaß der persönlichen Farbe“, jedoch keine „Tendenz“) oder über gewisse Sport-Auswüchse, die noch heute aktuell sind. Aus den Tausenden von Zeitungsbeiträgen des streitbaren und liberalen Geistes Ernst Müller-Meiningen, der die 52 mit zu dem gemacht hat, was sie heute ist, haben Verlag und Autor einen eindrucksvollen Querschnitt herausgesucht.

Das gilt auch von dem zweiten Journalisten-Buch dieses Verlages, von Herbert Riehl-Heyse, Chefreporter und stellvertretender Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung. Riehl-Heyse, wie Müller-Meiningen Volljurist, schreibt gleichwohl gänzlich anders: Dieser ebenso liberal denkende Autor liebt das Indirekte, die Anspielung, die scheinbare Umständlichkeit, den feinen Sarkasmus, etwa wenn er Helmut Kohl als umsatzträchtigen Ersatzkaiser am Wolfgangsee beschreibt und voller Selbstironie eingesteht, daß er als Reporter gelegentlich quer durch den Gemüsegarten des Lebens stapfen muß. Die hinreichende Neugier des Journalisten ist dabei das alles verklammernde Motiv. Und der Neugier des Lesers wird viel Futter gegeben.

Hanno Kühnert