Von Fritz J. Raddatz
Eben doch ein bedeutender Schriftsteller. Warum dieses "eben doch"? Weil Johannes Bobrowski noch lange, nachdem er den kleinen Schluck Ruhm, wie er es nannte, getrunken hatte, ein weithin unbekannter Autor war. So weiß Stephan Hermlin zu erzählen, "und dennoch geschah es mir noch im Jahre 1962, drei Jahre vor Bobrowskis Tod, daß einer der berühmtesten Schriftsteller dieses Landes, als ich in seiner Gegenwart von Bobrowski sprach, mir die Frage stellte: ‚Wer ist denn das?‘ Das war damals auch nichts Besonderes, Bobrowski wurde leicht übersehen .. .". Und ein Dichter-Narr wie Franz Fühmann legte geradezu eine Beichte ab: "Ich muß gestehen, daß ich anfangs seiner Lyrik schroff ablehnend gegenübergestanden bin, ja in ihr etwas Unerlaubtes gesehen habe: das Wachhalten, vielleicht sogar Wiedererwecken von Gefühlen, die aussterben mußten, Sentiments der Erinnerungen an die Nebelmorgen hinter der Weichsel und den süßen Ruf des Vogels Pirol.. .".