„Das Treibhaus“ von Peter Goedel

Von Wolfgang Koeppens großen Nachkriegsromanen ist, nachdem es fast verschwunden war, „Das Treibhaus“ (1953) neuerdings wieder ins öffentliche Bewußtsein gekommen. Die Anfänge der Bundesrepublik sind inzwischen derart historisch, daß sie zum Gegenstand der Neugier werden, sei es als modisches Interesse an der Exotik der Nierentisch-Ära, sei es als ernsthafter Versuch der Spätgeborenen, sich ihrer Herkunft zu vergewissern. Über diese Herkunft gibt Koeppens melancholisch-bitterer Roman einige Aufschlüsse. Im „Treibhaus“, das seinerzeit einen heute nicht vonteilbaren Skandal auslöste, erscheint Bonn als die deprimierende Wiederkehr des Immergleichen, „als das neudeutsche Amalgam aus Spießig und Mondän, Bayreuth und Alabama, EVG und Spesenabrechnung“, wie Karl Korn die mals in der FAZ schrieb. Es geht um die Wiederbewaffnungsdebatte, um die schamlose Karriere der alten Nazis, um den Auftritt der Kriegsgewinnler und schäbigen Opportunisten. Es geht um den SPD-Abgeordneten Keetenheuve, der von Anfang an ein Verlierer ist und am Ende in den Rhein springt.

Peter Goedels Film ist eine respektvolle Annäherung an das Buch, ein sorgfältiger und engagierter Diskussionsbeitrag zum Thema „Verpaßte Chance“, Aber er ist kein Film, wenn man darunter eine Kunstform versteht, in der bewegte Bilder eine Geschichte bewegen. Bei Goedel spricht eine unsichtbare Stimme den Romantext. Dazu sehen wir dokumentarische Szenen, Flakfeuer an der Heimatfront, zerstörte Städte, die Nürnberger Prozesse, die Vereidigung der ersten Bundeswehrsoldaten. Dazwischen wandert Christian Doermer durch die leeren Straßen des heutigen Bonn, sitzt an seinem Schreibtisch und verfaßt Gedichte, erinnert sich einer unglücklichen Liebe. Der Film vermittelt etwas von der Bitterkeit und Verzweiflung des Romans, er regt zum Nachdenken darüber an, was hatte sein können und sein müssen, als die Republik ihren Anfang nahm. Peter Goedel hat diesen Film mit bescheidensten Mitteln gemacht, und er war bescheiden in seinem Anspruch. „Eine filmische Lektüre“ nennt er seine Arbeit. Aber es ist nicht eben viel, was dieser Film der Lektüre hinzuzusetzen vermag.

Ulrich Greiner

,,Die Glasmenagerie“ von Paul Newman

Die Erinnerung setzt Maßstäbe. Für mich war „Die Glasmenagerie“, nachdem ich das Stück auf der Kleinstadtbühne gesehen hatte, immer nur jenes Mädchen Laura, das sich im Hintergrund hielt und ihre wunderbar zarten Glasfiguren betastete und liebkoste. Die Mutter, der Bruder, „der Herr zu Besuch“ – vergessen. Jetzt wurden auch sie wieder lebendig, und vor allem wurde deutlich, daß es eigentlich die Mutter ist, die den Mittelpunkt des Geschehens bildet.

Die Handlung entwickelt sich aus den Erinnerungen des Erzählers Tom Wingfield (John Malkovich), der zugleich einer der Protagonisten ist. Ein nostalgischer, bekenntnishafter Blick zurück in eine Wirklichkeit, die von allen drei Wingfields – Mutter, Tochter und Sohn – ignoriert wird. Eingesponnen in ihre Welt werden sie immer lebensunfähiger. Die Mutter (Joanne Woodward schwelgt in Jugenderinnerungen, Tom flüchtet sich in die Kunstwelt des Kinos, und Laura, behindert und verschüchtert, träumt mit ihren Glasfiguren,