Ganz trostlos beginnt F. K. Waechters erster filmischer Versuch "Kiebich und Dutz". Schauplatz: ein Bunker nach dem großen Kulissensturm. Personen: Kiebich (in Fliegeruniform), Dutz (feucht und flaumig, gerade aus der Kissengruft geschlüpft). Kamera: steif und stämmig, Marke Bildertöter. Text: "trudeltrudeltrudel... Dutz!... kuschelkuschelkuschel... mampf." Man liest ein Comic-Heftchen: "Rakis Reise in die Welt". Man sieht ein Comic-Filmchen: "Kiebich und Dutz". Im zweiten Teil geht es in die Wüste. Ein Kind in der achten Reihe amüsiert sich ganz fürchterlich. Was will man mehr vom Kino? Bröselbröckeltrudelplitschplatschbumm.

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Schon wieder Amerika. Schon wieder der Highway, die Berge, der Staub. Schräge Bilder, schräge Leute. Ein dicker Mann rumpelt im Wagen von dannen. Eine dicke Frau im Trachtenanzug geht die Straße entlang. Ein schäbiges Motel, wie zehnmal schon gesehen. Aber plötzlich wacht man auf und ist in einem hübschen kleinen Film: "Out of Rosenheim" von Percy Adlon.

Die dicke Frau aus Rosenheim heißt Jasmin Münchgstettner (Marianne Sägebrecht) und sieht auch so aus. Das Motel heißt "Bagdad" und sieht gar nicht so aus. Aber weil Jasmin nach dem Ehekrach versehentlich den Koffer ihres Mannes mit den Lederhosen und dem Zauberkasten mitgenommen hat, geht es mit dem "Bagdad" bald aufwärts. Zuerst holt Brenda (CCH Pounder), die Besitzerin des Motels, zwar noch den Sheriff, damit der die seltsamen Joppen und Jankerl des Gastes begutachtet; dann aber räumt Jasmin auf, putzt und fegt, bewacht das Baby und bemuttert den klavierspielenden Sohn, kleidet die Tochter im neuesten Rosenheimer Chic und posiert für den ausgemusterten Filmkulissenmaler Rudy Cox (Jack Palance) als bayerische Venus. Endlich hat sie auch ihre Zaubertricks gelernt, und nun gibt es für die Regie kein Halten mehr. Das "Bagdad" wird zum deutsch-amerikanischen Imbiß-Kabarett mit eigener Hymne und Dutzenden von Komparsen, der Westernhimmel färbt sich bayerisch weißblau, die endgültige Versöhnung zwischen Blues und Schuhplattler steht bevor. Aber Jasmin hat keine Arbeitserlaubnis, sie muß abreisen, back to Rosenheim.

"The magic is gone", sagt Brenda, als Jasmin fort ist, in diesem deutschen Film, in dem fast nur Englisch geredet wird. Das ist wichtig für Adlons amerikanischen Traum, der dort ansetzt, wo Vadim Glowna mit "Dies rigorose Leben" gescheitert ist: bei den Kino-Märchen, mit denen Hollywood die europäische Phantasie gefüttert hat, beim mitnamen Heim am Highway 66, beim Präriegras und den Sonnenuntergängen, dem donnernden Schwulst und Schmerz der Westernwelt. "Out of Rosenheim" ist zum großen Teil mit Gelb- und Rotfiltern aufgenommen, der Film leuchtet in Signalfarben: jedes Bild ein Schlüsselreiz. Aber Marianne Sägebrecht widersteht allen Lockungen der Nostalgie mit wunderbar schwerfälliger Grazie. Sie hat den Westen noch vor sich, die Versuchung, die Vision. Zwei Sonnen leuchten über Bagdad, die eine künstlich, die andere echt, für die Kamera ununterscheidbar. Zwei Sonnen leuchten in diesem Film, Ironie und Utopie. Am Ende gibt Jasmin dem entflammten Cox ihr Jawort, aber zur Sicherheit möchte sie sich noch mit Brenda beraten. Die Männerwelt ist passé, in Bagdad/Nevada führen die Frauen das Wort.

"Out of Rosenheim" ist nicht gerade eine filmische Sensation, aber in Hof hatte der Routinier Percy Adlon seine große Stunde. Von nächster Woche an läuft "Out of Rosenheim" im Kino. Am Sonntag sah ich im Fernsehen Ausschnitte aus der deutschen Synchronfassung: wieder hat der Verleih nichts begriffen. The magic is gone.

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