Auf der Pariser Weltausstellung von 1878, dem Rummelplatz des Neuesten, Feinsten und Besten, das die damalige Technik zu bieten hatte, erregte auch eine „Solardampfmaschine“ die Aufmerksamkeit des Publikums. Die Konstruktion war imposant: Fünf Meter betrug der Durchmesser des größten bis dahin gebauten konischen Spiegels, dessen Öffnung über ein Zahnradgetriebe stets zur Sonne ausgerichtet werden konnte. Die gesammelten Sonnenstrahlen erwärmten einen zwei Meter hohen, röhrenförmigen Heizkessel in der Brennlinie des Reflektors. An sonnigen Tagen dauerte es etwa 30 Minuten, bis 70 Liter Wasser zum Sieden gebracht waren. Der Dampf trieb eine Pumpe, die knapp zwei Tonnen Wasser pro Stunde auf eine Höhe von zwei Metern pumpte. Diese Solardampfmaschine wurde als eine der bemerkenswertesten Erfindungen der damaligen Zeit mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.

Der Erfinder des Apparates, der Franzose Augustin Mouchot (1825 bis 1912) war ein Pionier der Sonnenenergietechnik. Der Sohn eines Schlossers hatte es zum Doktor der Naturwissenschaften gebracht und unterrichtete Mathematik und Graphik am Gymnasium von Tours in der Normandie. In den sechziger Jahren hatte er mit innen geschwärzten „Hitzekisten“ experimentiert und schließlich den ersten zum Braten und Kochen geeigneten Solarherd und die erste Solardampfmaschine konstruiert. Mit Sonnenenergie stellte er Eis her, destillierte Weinbrand und schlug solare Techniken zur Hitzekonservierung von Lebensmitteln vor.

Nach dem Erfolg seiner Erfindungen auf der Weltausstellung überarbeitete Mouchot sein Buch „Die Sonnenwärme und ihre industriellen Anwendungen“ für eine zweite Auflage. Dieser „Technikklassiker“, der jetzt von dem kleinen Schweizer Olynthus Verlag ins Deutsche übersetzt wurde, beschreibt nicht nur die eigenen Tüfteleien und Ideen Mouchots, sondern auch viele Maschinen seiner Vorgänger und versucht, die Geschichte der Sonnenenergietechnik bis ins Altertum zurück zu rekonstruieren.

Schon altgriechische Ärzte brannten Wunden mit Brennlinsen – wassergefüllten Glasballons – aus, die Römer entzündeten das heilige Feuer der Vesta mit Spiegeln. Die Alchimisten erhitzten Flüssigkeiten mit Brennspiegeln und brachten Metalle zum Schmelzen. Zu Beginn der Neuzeit gab es gar sonnenenergiegetriebene Uhren und als Graf Buffon im 18. Jahrhundert prüfen wollte, ob Archimedes, wie die Legende erzählt, per Sonnenspiegel die feindliche Flotte hätte in Brand setzen können, gelang es ihm, mit 128 Spiegeln ein fünfzig Meter entferntes Holzstück zu entzünden.

Große Hoffnungen auf unmittelbare Verwertbarkeit seiner Erfindungen in den Industrieländern hegte Mouchot nicht. Trotz öffentlicher Förderung war es ihm, vor allem der teuren Silberspiegel wegen, nicht gelungen, wirtschaftlich arbeitende solargetriebene Maschinen zu entwickeln. Doch für die armen, heißen Länder sah er eine Vielfalt von Anwendungsmöglichkeiten. Statt ihre Wälder in unzähligen Feuerstellen zu verbrennen sollten die Bewohner dieser Länder mit Hohlspiegeln kochen, ihren Schnaps per Spiegel destillieren und kleine Maschinen mit Sonnenenergie betreiben. Die sengende Sonne Ägyptens konnte die Schöpfräder bewegen, mit denen die Felder bewässert werden.

Mouchot sah die Kolonien regelrecht erblühen angesichts der beliebig verfügbaren Sonnenhitze. Und wenn die Kohlevorräte der Industrieländer einmal erschöpft seien, sollten sie in den heißen Weltgegenden Thermoelemente installieren und mit Hilfe der so gewonnenen Elektrizität Wasser in Sauerstoff zerlegen. Der Wasserstoff könne zur Energiegewinnung verbrannt werden. Mouchots Ideen sind heute wieder aktuell: Die moderne Solartechnik fußt im wesentlichen auf seinen Arbeiten.

Doch für Mouchot selbst kam kurz nach der Weltausstellung das Aus: Die Kohlennot Frankreichs, die in den fünziger und sechziger Jahren den Ruf nach neuen Energiequellen für die Industrialisierung verursacht hatte, war überwunden, und eine Prüfkommission der Regierung stellte fest, daß die Sonnenscheindauer in den gemäßigten Zonen nicht ausreiche, um Solarmaschinen wirtschaftlich betreiben zu können. Die Förderung wurde eingestellt.