Hamburg

Die Nasenflügel vibrieren schnuppernd, die Nerven warten auf Signale, die das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Nichts. Beim ersten Hamburger Knoblauch-Festival in der alten Fischauktionshalle am Hafen unterliegt der Knoblauchduft. Sieger im Wettstreit der Gerüche bleiben eindeutig und nachhaltig bis in den nächsten Tag hinein Zigarettenqualm und Bratfett.

Also näher ran an die Stände und Garküchen links und rechts der Halle. Kreative Köstlichkeiten hatte der Veranstalter, das "Komitee der Knoblauch-Freunde Hamburg", versprochen. Chili con Carne, findet der Gourmet, Fleischwurst in Knoblauchbrühe, ‚Knobikraut‘, natürlich Gambas und Hummer. Auf einem Grill schmurgeln reichlich fette Nackensteaks schwarz. Popcorn mit Knoblauch wird zu mitternächtlicher Stunde von einer Jury aus Gastronomie und Journalismus als "besonders originell" prämiert.

Die Imbißverkäufer trauen offenbar Hamburger Handwerkerkünsten nicht. Obwohl die Fischauktionshalle gerade renoviert wurde und ein regendichtes Dach besitzt, sind überall Sonnenschirme aufgespannt. Das gibt so eine entspannte, fröhliche Atmosphäre. Sogar das Fernsehen ist dabei, um zu sehen, wie die Hamburger an den Gambaschwänzen zuzeln. Und sie sind in Scharen gekommen, Bussi links, Bussi rechts. Richtig familiär das Ganze. Ein bißchen wie "Hamburg kocht auf". Nur zwei Nummern kleiner. Oder wie das Alstervergnügen, nur ohne Currywurst. Die scheint sich tatsächlich den Knoblauch-Veredelungsversuchen zu entziehen.

Zwischen Knoblauchbutterbrot und Knoblauchkeks trägt der Veranstalter ein wenig zur Unterhaltung bei. Schließlich war ein Festival angekündigt, und dazu gehören dann auch Kämpfe und Sieger. Wer pult am schnellsten Knoblauch?

Das Knoblauch-Festival hat ein – natürlich amerikanisches – Vorbild: das Gilroy Garlic Festival in Kalifornien. Der Hamburger Ableger verhält sich zum Original wie Knoblauchpulver zur frischen Zehe. Wie heißt es im "Garlic-Kochbuch", das auf dem Hamburger Festival verkauft wird: "Der wahre Knoblauchfan wird der frischen Knolle stets den Vorzug geben." R. K.