Unter den Wirtschaftsexperten der SPD-Bundestagsfraktion ist offensichtlich Wolfgang Roth für den Diskontsatz zuständig, Hans Apel für den Lombardsatz. Diese Arbeitsteilung führt zu reichlich divergierenden Urteilen. So erklärte Roth vergangene Woche nach den geldpolitischen Entscheidungen des Zentralbankrates: "Die Bundesbank hat sich leider nicht zu einem deutlichen Zinssignal durchringen können und eine Diskontsenkung abgelehnt." Apel versicherte dagegen: "Mit der Senkung des Lombardsatzes hat die Bundesbank den internationalen Finanzmärkten ein positives Signal gegeben."

Auch in den Folgerungen sind sich die beiden SPD-Ökonomen nicht einig. Während Roth beklagte, die Bundesbank habe es "versäumt, einen wirksamen Beitrag zur Stabilisierung des Mark/Dollar-Wechselkurses zu leisten", war Apel noch hoffnungsfroh: "Die Entwicklung der nächsten Tage wird zeigen, ob dieses Signal auf den Märkten die erhoffte Wirkung bringt." Es sieht ganz danach aus, als habe Roth diesmal die Signale besser gedeutet als Apel.

Mit seinen Plänen, staatliche Industriebeteiligungen zu privatisieren, hat Finanzminister Gerhard Stoltenberg wirklich kein Glück. In diesem Jahr sollten die sechzehn Prozent des VW-Kapitals, die dem Bund gehören, unters Volk gebracht werden. Doch als Anfang März der Autoriese von einem verlustträchtigen Devisenskandal erschüttert wurde, sackten die VW-Kurse ab. Ein Verkauf der Aktien wäre zum schlechten Geschäft geworden.

Im September kündigte Stoltenbergs Staatssekretär Friedrich Voss dann an, der VW-Verkauf sei auf 1988 verschoben. Schon eine Woche später widersprach ihm Stoltenberg persönlich: Die Privatisierung werde sehr wohl noch vor Jahresende verwirklicht.

Die Vermutung, über der Transaktion liege angesichts dringenden Geldbedarfs für den Bundesetat ein "Hauch von Panik" (ZEIT Nr. 41/87), wurde vom Hause Stoltenberg als unverständlich zurückgewiesen; die Privatisierung entspreche einer "wohl abgewogenen Entscheidung".

Ganz so abgewogen war sie wohl doch nicht. Denn am 5. November ließ das Finanzministerium wissen, "in Anbetracht der Entwicklung an den Aktienmärkten" werde die Privatisierung der VW-Anteile nun doch verschoben. Neuer Zeitpunkt: "möglichst bald".

Der große Guru der Reaganomics, Arthur B. Laffer, nahm beim Bonner Forum der Wirtschaftswoche Mitte Oktober den Mund wohl etwas voll. Selbstsicher predigte der Professor aus den Vereinigten Staaten damals seinen kleingläubigen deutschen Zuhörern: "Wir machen in diesem Lande eine Revolution durch, und ich glaube, die Resultate sind zu sehen, ganz gleich, ob Sie Aktienkurse, Zinsraten, Inflation, Wirtschaftswachstum oder Beschäftigung betrachten."