Von Heinz-Günter Kemmer

Der Kölner Amtsrichter Wilhelm Uhlenbrock, der einem breiten Publikum durch die Abwicklung der Herstatt-Pleite bekannt wurde, urteilte schon vor Jahren über die Konkursverwalter so: "Für die Abwicklung von Großpleiten ist nur eine Handvoll von ihnen geeignet. Einen aus dieser kleinen Gruppe kann Uhlenbrock nun aus der Nähe beobachten. Denn der Stuttgarter Rechtsanwalt Volker Grab wird Vergleichsverwalter bei der zum Konzern des DIHT-Präsidenten Otto Wolff von Amerongen gehörenden PHB Weserhütte AG (PWH) in Köln.

Grub ist von frischem Lorbeer umkränzt, hat er doch gerade das traditionsreiche schwäbische Textilunternehmen Bleyle vor dem Untergang bewahrt. Zwar ist dem zunächst angestrebten Vergleich im März ein Anschlußkonkurs gefolgt; zwar wird die als Auffanggesellschaft gegründete Bleyle GmbH in Ludwigsburg nur noch einen Bruchteil der Mitarbeiter beschäftigen, die einst bei dem fast hundert Jahre alten Familienunternehmen tätig waren – aber der Rest ist gesund, und die Zahlen stimmen wieder.

Ein neuer Beweis dafür, daß eine Insolvenz nicht immer das Aus für ein Unternehmen sein muß. Aber, Uhlenbrock sagt es, nur wenige Insolvenzverwalter beherrschen die Kunst der Sanierung. Für die meisten der Zunft gilt immer noch die Devise ihres Nestors Joachim Kilger, der die möglichst schnelle Beerdigung eines Unternehmens für die beste Methode hält. Und bei mehr als achtzehntausend Firmenzusammenbrüchen in jedem der beiden vergangenen Jahre kann man auch gar nichts anderes erwarten. Denn nur das Beerdigen geht schnell. Das Weiterführen eines insolventen Unternehmens hingegen ist ein mühseliger und zeitraubender Prozeß.

Und es setzt voraus, daß der Konkurs- oder Vergleichsverwalter wie ein Unternehmer denken und handeln kann. Er muß eine Nase dafür haben, ob die Fortführung der Geschäfte Aussicht auf Erfolg hat oder nicht. Den einschlägigen Spürsinn hat nicht nur Volker Grub entwickelt. Auch sein Stuttgarter Kollege Hans Ringwald ist damit gesegnet, ebenso der Hamburger Anwalt Gerd G. Weiland und Jobst Wellensiek aus Heidelberg, der sich gerade an der Rettung der bayerischen Maxhütte versucht. Nicht zu vergessen der Frankfurter Anwalt Wilhelm Schaaf, der den AEG-Vergleich abwickelte.

Die erfolgreichen Sanierer arbeiten mit unterschiedlichen Instrumentarien. Während Weiland in Hamburg eine Kanzlei mit mehr als achtzig Mitarbeitern betreibt, sind seine Stuttgarter Kollegen sehr viel bescheidener und bedienen sich im Notfall externer Hilfe. Eines aber brauchen sie alle: das Vertrauen der in die Insolvenz Verstrickten. Dazu gehören nicht nur die Gläubiger, sondern auch die Belegschaft, die für den Betrieb zuständige Gewerkschaft, das Landeswirtschaftsministerium und nicht zuletzt der Pensions-Sicherungs-Verein (PSV).

Gerd Weiland hat festgestellt, daß es "einen großen Vertrauensvorschuß gibt für die Leute, die da auftreten". Seiner Meinung nach sind die "klassischen Institutionen" in der Bundesrepublik "verlegen um Gesprächspartner, auf die man sich verlassen kann". Die Gewerkschaften, so zählt er auf, "verstehen diese Leute als Chance". Aus dem Ministerium komme gleich zu Beginn die Frage: "Ist es eine Beerdigung, oder dürfen wir hoffen?" Über die Großbanken könne er sich nicht beklagen, sie stellten ganz schnell relativ große Kredite zur Verfügung. Schließlich ein dickes Lob über die "wohltuende Kooperation" der PSV-Chefs Jürgen Paulsdorff und Eckart Windel, die begriffen hätten, daß Beerdigen häufiger viel teurer sei als Sanieren. Der PSV zahlt bei einem Konkursfall den betroffenen Mitarbeitern die Betriebsrenten, die entstehenden Kosten werden auf alle dem PSV angehörenden Unternehmen umgelegt.