DIE ZEIT

Kopf im Sumpf

Es wäre eine Illusion zu glauben, die Weltgeschichte höre auf, bloß weil sich die Bundesrepublik der Nabel- und Eingeweideschau hingibt.

An der Grenze

Beim Geld hört auch die Gesundheit auf – wie anders soll der verstörte Verbraucher die Unfähigkeit der EG-Regierungen deuten, sich auf einheitliche Obergrenzen für die Radioaktivität von Lebensmitteln zu einigen? Am Sonntag ging man in Brüssel wieder ergebnislos auseinander.

Hilflosigkeit

Von wem, wenn nicht von den gewählten und ernannten Krisenmanagern, den Wirtschaftspolitikern und Notenbankchefs in den Industrieländern, können die verstörten Bürger eigentlich Rat und Hilfe erwarten? Aber auch da sieht es düster aus.

Ein bißchen Buße, aber keine Reue

Die Christlich-Demokratische Union hat auf eine ungewöhnlich schwierige Herausforderung eine geschickte Antwort gefunden; Die Selbstbesinnung wurde klug inszeniert, von Parteichef Kohl und Generalsekretär Geißler vorgeführt und von dem Parteitag nicht undankbar erlebt.

Gescheitert

Auch Klaus von Dohnanyi hat einen Kurssturz zu notieren. Jedenfalls muß der Bürgermeister der Hansestadt inzwischen das erhebliche politische Kapital abschreiben, das er nach eigenen Worten investiert hat in eine vertragliche Bereinigung der Situation in der Hamburger Hafenstraße.

Worte der Woche

"Wer die freien Demokratien im Spiegel der Medien verfolgt, könnte glauben, ihre Geschichte der letzten Jahrzehnte sei eine einzige Kette von Skandalen.

Zeitspiegel

Der bislang jüngste Leidtragende des Börsenkrachs ist ein 15jähriger Schüler aus Derbyshire, Großbritannien. Während seine Kameraden in der Schulpause brav ihre Suppe löffelten, versuchte er sich als Spekulant und orderte Aktien für über 100 000 Pfund bei einem Brokerbüro.

In Rauch aufgelöst

Man weiß Bescheid, wenn es bei Volksfesten oder Rockkonzerten süßlich aus der Menge duftet. Ein "Joint" wird gepafft. Das kommt heute seltener vor als vor zehn oder zwanzig Jahren.

Vom Standesdünkel der Staatsdiener

Allabendlich um acht Uhr finden sich die Franzosen vor dem Bildschirm zum "Hochamt" ein, zur halbstündigen Nachrichtensendung – eine heilige Tradition, die auf die Anfänge des französischen Fernsehens zurückgeht.

Fürs erste bloß Appelle

Im Schatten der Kieler Affäre: Die Union sucht nach Wegen aus den Widersprüchen

Ben Witter: Angetippt

Der Mann, der sich auf dem Friedhof die Zeit vertreibt, ist weder in dem Alter, wo es einen auf Friedhöfe zieht, noch hat er da jemand.

Fortschritte auf dem Isthmus: Zwang zum nächsten Zug

Mittelamerikanische Realität läßt sich oft nur mit einem Paradoxon umschreiben: Der Friedensplan der fünf Staaten ist an der ersten Hürde gescheitert und hat deswegen eine echte Chance, Wirklichkeit zu werden.

Volksabstimmung in Italien: Denkzettel für die Politiker

Wer dagegen war, mußte mit "ja" stimmen – so vertrackt wie immer ging es bei dieser italienischen Volksabstimmung zu, deren Ergebnis am Dienstag weder die Regierungs- noch die Oppositionsparteien (lauter "Sieger") ganz froh werden ließ.

Spanisch-amerikanische Stützpunktverhandlungen: Pokern bis zum Ende

In einer Mischung aus Ratlosigkeit und Skepsis hatte die siebte Verhandlungsrunde zwischen Spanien und den Vereinigten Staaten über die amerikanischen Stützpunkte begonnen; die katholische Tageszeitung YA hatte mit dem Wort vom "Dialog unter Taubstummen" die Auffassung vor Beginn dieses letzten entscheidenden Botschaftertreffens treffend gekennzeichnet.

Gorbatschow: Geschichte nicht überlisten

Während der Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Oktoberrevolution hat sich Michail Gorbatschow um eine neue Definition des sozialistischen Internationalismus und der Beziehungen zwischen den Bruderparteien bemüht.

Nordirland: Dauertragödie

Das Entsetzen über die grausige Bluttat am Gedenktag für die Kriegstoten hatte sich auf beiden Seiten der Irischen See noch nicht gelegt, die Toten waren noch nicht unter die Erde gebracht, da begannen die Hauptakteure der nordirischen Dauertragödie bereits Soll- und Haben-Rechnungen aufzumachen.

Tunesien: Freude über den Machtwechsel

Ein unblutiger Machtwechsel: Am vergangenen Samstag setzte Ministerpräsident Ben Ali den Staatschef auf Lebenszeit, Habib Bourguiba, ab und ernannte sich zum Nachfolger.

BONNER BÜHNE: Die Kunst des Zuhörens

Es falle "schwer, tatsächlich schwer", unter dem Eindruck von zwei Morden an Polizeibeamten und "angesichts von Trauer, Bestürzung, Zorn und Empörung, die wir empfinden, heute miteinander zu diskutieren".

Bombenterror in Sri Lanka

Bei einem Bombenanschlag im Zentrum der ceylonesischen Hauptstadt Colombo sind am Montag mindestens 28 Menschen getötet und 106 Zivilisten zum Teil schwer verletzt worden.

Die Reise zu Don Giovanni

Vorspiel auf dem Theater: Die vagabundierende Operntruppe aus Italien ist in einer Stadt nördlich der Alpen gelandet. Das Ensemble ist müde und ausgelaugt.

"Ein Schutzraumplatz ist besser": Unterirdische Vorsorge

Die sieben biblischen Plagen haben sich Philippsburg ausgesucht. Die Stadt liegt im Rheingraben, mitten in der gefährlichsten Erdbebenzone Deutschlands; im Sommer werden die Einwohner von Schnakenschwärmen aus den Rheinauen gepiesackt; zwei Kernkraftwerke in Steinwurfnähe, zwei Bataillone Bundeswehr am Stadtrand, die ganze Gegend ein Tieffliegerübungsgebiet.

"Deutsche Jugend, komm zu uns": Feiern auf germanisch

Weidenthal ist ein kleiner Ort mit 2159 Einwohnern nahe der deutschen Weinstraße. Eine Idylle hätte das Dorf bleiben können, wenn nicht vor zwei Jahren Ernst Tag ein Wohnhaus nebst Scheunentrakt in der Weidenthaler Hirschgasse erworben hätte, um dort ein "Nationales Zentrum" zu errichten.

Sensation in der Vorwahlzeit: Kein Traumpaar mehr

Ich kann mir im Moment ehrlich nicht vorstellen, wie ich ohne Lothar Späth auskommen soll", gestand Baden-Württembergs Regierungssprecher Matthias Kleinert (CDU) vergangene Woche der Öffentlichkeit.

Knoblauch-Fest: Bloß fettig

Die Nasenflügel vibrieren schnuppernd, die Nerven warten auf Signale, die das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Nichts. Beim ersten Hamburger Knoblauch-Festival in der alten Fischauktionshalle am Hafen unterliegt der Knoblauchduft.

Mut zu Schulden

Fast von Woche zu Woche wird es schwerer für Gerhard Stoltenberg, seine Finanzen in Ordnung zu halten. Die Defizite wachsen und wachsen, wohl zum Verdruß des Mannes, der sich gerne mit der Aura des Haushaltssanierers schmückte.

Bonner Kulisse

Unter den Wirtschaftsexperten der SPD-Bundestagsfraktion ist offensichtlich Wolfgang Roth für den Diskontsatz zuständig, Hans Apel für den Lombardsatz.

Bundespost: Schlachtfest

Der Postminister hat es offensichtlich eilig. Kaum legte die Fernmeldekommission ihre Vorschläge zur Jahrhundert-Reform der Behörde vor, da gibt es auch schon den ersten Rohentwurf eines neuen Gesetzes.

Brasilien: Kapitulation

Brasiliens Präsident José Sarney hat nur ein Übel gegen das andere ausgetauscht. Seine Regierung hat sich zwar in der vergangenen Woche mit den internationalen Banken und dem Internationalen Währungsfonds darauf geeinigt, wieder Zinsen und Tilgung zu zahlen.

Insolvenzen: Die letzten freien Unternehmer

Der Kölner Amtsrichter Wilhelm Uhlenbrock, der einem breiten Publikum durch die Abwicklung der Herstatt-Pleite bekannt wurde, urteilte schon vor Jahren über die Konkursverwalter so: "Für die Abwicklung von Großpleiten ist nur eine Handvoll von ihnen geeignet.

Vereinigte Staaten: Versuch und Irrtum

Über den Eisenbahnbau jenseits des Atlantiks wußte Alfred von der Leyen vor über hundert Jahren Erstaunliches zu berichten: "Wo eine Eisenbahn völlig genügte, da finden sich oft zwei, drei, ja noch mehr beinahe miteinander parallel laufende Bahnwege", schrieb der Schienen-Experte 1885.

Schiffbau: Warten auf die letzte Welle

Ein- bis zweimal im Jahr kommt die große Welle. Dann öffnet die Edertalsperre für fünfzehn Stunden ihre Schleusen und vom Rothaargebirge strömen drei Millionen Kubikmeter Wasser zusätzlich die Eder hinunter, fließen in die Fulda und schwemmen dann die Weser auf.

Alterssicherung: Vom Kopf auf die Füße

Zu viele Bundesbürger pfiffen auf Nachwelt und Nachkommenschaft, klagte Wolfgang Gehrmann vor wenigen Wochen in seinem ZEIT-Beitrag "Angst vorm Altersklassenkampf.

Naturkost: Gift im Korn

Schlechte Nachrichten für Naturkost-Freunde: Großen Leichtsinn beim Vertrieb prangert Verbraucher Aktuell in der Novemberausgabe bei der Firma Kornkraft an.

Zeit-Börsen: Schwarzer Oktober auch für Profis

Viele private Kapitalanleger sichten derzeit verzweifelt ihre Kursverluste aus Aktiengeschäften. Da mag ein schwacher Trost sein, daß auch die Spezialisten in den Analyseabteilungen renommierter Banken zusehen mußten, wie auch ihre vormals so hochgelobten Werte seit dem schwarzen Montag am 19.

Markt-Report: Im freien Fall

Die Kursstürze am deutschen Aktienmarkt zu Beginn dieser Woche haben alles bisher Dagewesene in den Schatten gestellt. Als Verkäufer traten nicht allein Ausländer auf, die ihren Geldbedarf durch Liquidation ihrer deutschen Portefeuilles zu decken versuchen.

ZEITRAFFER

Im kommenden Jahr wird es kaum noch ein reales Wachstum in den Industrieinvestitionen geben. Das ergab eine Untersuchung des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung.

Kein Handlungsbedarf beim Kartellrecht

Mann: Der BDI bedauert das Vorgehen des Ministers insbesondere aus zwei Gründen: Zum einen gibt es keinen Sinn, eine hochkarätige Arbeitsgruppe "Wettbewerbsrecht" einzusetzen, die bis zum Frühjahr 1988 abschließend prüfen soll, "ob" und wenn ja "wo" Handlungsbedarf für eine Änderung des Kartellgesetzes besteht, um dann lange vor Abschluß dieser Prüfung von einem Tag zum anderen das Ergebnis zu verkünden.

LÄNDER IM VERGLEICH

Im vergangenen Jahr konnten sich die Bundesbürger über sinkende Verbraucherpreise freuen, in diesem Jahr beginnt die Preissteigerungsrate langsam wieder zu klettern.

MANAGER UND MÄRKTE

Auf dem Flughafen München bekommen die "lieben" oder "sehr geehrten" Fluggäste neuerdings Briefe in die Hand gedrückt. "Wir hätten Sie gerne pünktlich nach Berlin geflogen", schreibt die amerikanische Fluggesellschaft PanAm, aber "wegen augenblicklicher Überfüllung des Luftraumes" gebe es noch keine Starterlaubnis.

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