Riskante Geschäfte bescheren hohe Verluste

Von Reinhold Rombach

Viele private Kapitalanleger sichten derzeit verzweifelt ihre Kursverluste aus Aktiengeschäften. Da mag ein schwacher Trost sein, daß auch die Spezialisten in den Analyseabteilungen renommierter Banken zusehen mußten, wie auch ihre vormals so hochgelobten Werte seit dem schwarzen Montag am 19. Oktober in den Keller rutschten.

Die in der ZEIT- Börse agierenden Institute erlitten im Vergleich zum Vormonat erhebliche Verluste – nicht zuletzt durch gewagte Engagements in Optionsscheinen.

Das größte Minus machte mit 76 339 Mark in nur vier Wochen das Wertpapierteam der Commerzbank. Genau einen Börsentag vor dem Crash verkaufte Grünberg die niederländische Konsumaktie Ahold (Kaufkurs 98 Mark) mit einem Verlust von nur 10,48 Prozent oder 6925,70 Mark. Das verbliebene Kapital von 59 159,19 Mark sollte in den gewinnträchtigeren japanischen Versicherungswert Yasuda Fire & Marine zu 1170 Yen (Kurs 12640 Yen) das Stück investiert werden.

Doch die in Yasuda Fire & Marine gesetzten Hoffnungen trogen. Mit einem Verlust von 22,45 Prozent in drei Wochen fiel die Aktie deutlich stärker als der Nickei-Stock-Index, der sich lediglich um siebzehn Prozentpunkte abschwächte. Auch mit ihren beiden anderen Werten, dem Optionsschein der BASF von 1985 (Kaufkurs 222,70 Mark) und den 1/10 Genußscheinen des schweizerischen Pharmakonzerns Hoffmann-La Roche (Kaufkurs 18 090 Mark) geriet die Commerzbank böse unter die Räder; hier verlor sie 35 805 (BASF) und 26 438 Mark (Hoffroche). Dennoch hält das Frankfurter Geldinstitut – dank der in den vergangenen Monaten erwirtschafteten Gewinne – mit einem Gesamtgewinn von 43 476 Mark auf das Startkapital von 100 000 Mark unangefochten den ersten Rang.

Jörg G. Grünberg sieht zur Panik keinen Grund. Seiner Meinung nach gibt es durchaus Anlaß zu einer baldigen Erholung auf den Wertpapiermärkten. Für die Verringerung des riesigen Handelsbilanzdefizites der Vereinigten Staaten (1987 rund 170 Milliarden Dollar) bestünden in den nächsten Monaten Chancen, und auch das weltweite hohe Maß an Liquidität stimme zuversichtlich. Für eine erfolgreiche Anlagepolitik im Jahr 1988 komme der laufenden Beobachtung und Beurteilung des marktpsychologischen Umfeldes, so Grünberg, eine weitaus größere Bedeutung zu als noch in den vergangenen Monaten.