Ein Bürgermeister und sein Steckenpferd: der Bunkerbau

Von Renate Kaufeld

Philippsburg

Die sieben biblischen Plagen haben sich Philippsburg ausgesucht. Die Stadt liegt im Rheingraben, mitten in der gefährlichsten Erdbebenzone Deutschlands; im Sommer werden die Einwohner von Schnakenschwärmen aus den Rheinauen gepiesackt; zwei Kernkraftwerke in Steinwurfnähe, zwei Bataillone Bundeswehr am Stadtrand, die ganze Gegend ein Tieffliegerübungsgebiet. Und ein Bürgermeister, bei dem sich manche Philippsburger inzwischen fragen, ob sie mit ihm so recht glücklich sind.

Als er vor 14 Jahren gewählt wurde, der Fritz Dürrschnabel, da widmete er sich erst einmal dem Kampf gegen die Schnaken. Das trug ihm den Ehrentitel "Schnaken-Fritz" ein. Inzwischen wurde er umgetauft. "Bunker-Fritz" heißt er jetzt.

Fritz Dürrschnabel, Industriekaufmann, Polizeibeamter, Verwaltungsfachmann, Vater von fünf Kindern, hat ein großes Vorbild: Henri Dunant, den Gründer des Roten Kreuzes. Seinem Motto "Helfen und Retten" fühlt sich der gebürtige Alemanne verpflichtet. Aber auch Lenin mag der Bürgermeister und zitiert in Abwandlung: "Vertrauen ist gut, ein Schutzraumplatz ist besser." Getreu dieser Überzeugung baut er Schutzraum um Schutzraum, im Volksmund auch Bunker genannt.

Nach seinen Vorstellungen soll es einmal gut 12 000 Bunkerplätze in Philippsburg geben, für jeden der 11 000 Einwohner mindestens einen. 113 Prozent Bunkerplatzversorgung möchte der Mittvierziger gern erreichen. Soviel wie in der Schweiz, seinem gelobten Land des zivilen Selbstschutzes. Philippsburg aber hat erst knapp 6000 Bunkerplätze zu bieten.