Ein klares Programm. Durch direkte Intervention bei Goebbels erwirkte Eulen 1934 die Umgestaltung des Reichstrauertages in den Heldengedenktag. Denn dieser Tag, so schrieb er, durfte „auf die Dauer nicht ein Tag der Trauer sein, sondern muß ein Tag der Erhebung werden, ein Tag des Hoffens auf das Aufgehen der blutigen Saat“.

Der Volksbund’ sieht sich heute als ein Opfer nationalsozialistischer Gleichschaltung. Zum Beweis beruft er sich auf Streitigkeiten zwischen seinem damaligen Architekten Robert Tischler und Hitlers Wehrmacht über die Gestaltung der Soldaten-Gedenkstätten. Der Historiker Meinhold Lurz, der die Geschichte der deutschen Kriegerdenkmäler mit Akribie erforscht hat, wirft dem Volksbund vor, sich durch Umdeutung des alten Streits einen politischen Unschuldsbeweis zu erfinden. Der Volksbund-Architekt wollte, so Lurz, auf eine Kennzeichnung der Einzelgräber ganz verzichten und der Kriegstoten nur noch mit wenigen zentralen Monumenten gedenken. Die Wehrmacht wies diesen Vorschlag empört zurück und bestand darauf, daß auch in Zukunft das Grab jedes einzelnen Gefallenen gewürdigt werde. Schließlich wurde dem Volksbund 1941 ein Generalbaurat, der direkt Hitler unterstand, vor die Nase gesetzt. Dem Verband blieb nur noch die Herausgabe seiner Zeitschrift, die Pflege seiner Mitglieder und einiger Friedhöfe aus dem Ersten Weltkrieg. Nicht grundsätzliche politische Differenzen, sondern Konkurrenz, so Historiker Lurz, gaben den Nazis 1944 Anlaß zu der Überlegung, den Volksbund zu verbieten. Der Sieg der Alliierten kam einer Entscheidung zuvor.

Nach Kriegsende zeigte sich der Verband umgehend demokratisch. Er sei dem Anliegen der NSDAP „immer energisch und mit Erfolg entgegengetreten“ und sehe nun seine Aufgabe darin, „im Geist des Antifaschismus“ das Elend künftiger Kriege zu vermeiden, verkündete der stellvertretende Bundesgeschäftsführer 1945.

Dementsprechend, das ist nur logisch, war jedes Umdenken einfach überflüssig. Der Volksbund widmete sich der Pflege der neuen Gräber in alter Gewohnheit – und mit demselben Personal. Robert Tischler zum Beispiel blieb bis zu seinem Tode 1959 Chefarchitekt und gestaltete die Grabstätten endlich in seinem Sinne. Otto Margraf, unter Hitler Bundesamtsführer, war von 1949 bis 1960 Generalsekretär des Volksbundes. Margraf noch 1944: „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge bedeutet Besinnung auf Ehre und Größe der Nation, auf die heldischen Opfer und den Todesmut unserer Gefallenen... auf das Deutschtum überhaupt ...“ Zum Präsidenten wurde 1946 Wilhelm Ahlhorn erkoren, vormals Vertreter des Bundesführers und Gründers Emmo Eulen. Der Volksbund stiftete 1952 als seine höchste Auszeichnung die „Siegfried-Emmo-Eulen-Plakette“. Ihre Verleihung wurde 1963 eingestellt. „Das hatte nicht unbedingt mit Siegfried Emmo Eulen zu tun“, erklärt der heutige Pressesprecher Gert Soltau. Man habe entdeckt, daß es außer Eulen auch noch andere verdienstvolle Mitbegründer der Organisation gegeben habe.

Es verwundert kaum, daß es damals – genauer gesagt am 1. Januar 1958 – niemandem unangenehm auffiel, daß die Bundesverbindungsstelle der HIAG, Vorläufer des bereits erwähnten HIAG-Bundesverbandes, Mitglied im Volksbund wurde. Was im vergangenen Jahr kurzfristig Wirbel verursachte, war im Grunde nur eine ungeschickt ausgeführte Formalität: Der Name der HIAG hat sich vor einiger Zeit geändert, aus der Bundesverbindungsstelle wurde der reguläre Bundesverband. Anläßlich der Diskussion um Bitburg, so der Vorsitzende der HIAG Friedrich Karl Weibel, habe man endlich beschlossen, die Eintragung im Mitgliedsregister zu berichtigen. Die Zusammenarbeit war beinahe drei Jahrzehnte zur gegenseitigen Zufriedenheit verlaufen. Der Landesverband Bayern des Volksbundes verlieh einem HIAG-Kreisverband 1966 gar das Fahnenehrenband „mortui viventes obligent“. Und der hessische Volksbund ehrte August Hoffmann, den Bundesbeauftragten der HIAG für die Kriegsgräberfürsorge, vor wenigen Jahren mit der Silbernen Ehrennadel;

Der Volksbund gibt sich gern unpolitisch: als ein Verband, der nur Gräber pflegt und für den Frieden arbeitet: „Dabei haben wir nie danach gefragt: Wo kommst du her?“ sagte der frühere Präsident Haßkamp gern zur Zeit des kleinen Eklats im letzten Jahr. Bis heute hat der Volksbund kein Wort zur Zusammenarbeit mit dem rechtsradikalen Veteranenverband an die Öffentlichkeit gebracht. Einige der 380 000 Mitglieder klagten eine solche Stellungnahme letztes Jahr vergebens ein. Inzwischen scheint darauf niemand mehr Wert zu legen. Auch die Bundesregierung nicht. Immerhin darf der Volksbund einmal jährlich einen nationalen Feiertag der Republik eine Gedenkstunde des Deutschen Bundestages, an vorderster Front mitgestalten.