Die Rentenversicherung ist im Rahmen des alten Systems nicht zu retten

Von Meinhard Miegel

Zu viele Bundesbürger pfiffen auf Nachwelt und Nachkommenschaft, klagte Wolfgang Gehrmann vor wenigen Wochen in seinem ZEIT-Beitrag "Angst vorm Altersklassenkampf. Und düster folgerte er: "Das System unserer Alterssicherung geht deshalb auf eine Katastrophe zu." Der Leser war geschockt. Doch nur für eine Woche. Denn in seinem Folgeartikel "Dinkies zur Kasse" verkündete Gehrmann munter: "Wenn nicht alles täuscht, wird sich zur Überraschung des Publikums bald zeigen, daß das vermeindlich so schlimme Problem der Rentensicherung ziemlich leicht zu lösen ist." Nun war der Leser verwirrt. Will Gehrmann uns sagen, die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst? Oder wie will er verstanden werden?

Eine nüchterne Analyse der Alterssicherungsproblematik zeigt nämlich, daß es in diesem Bereich keinen Anlaß für Katastrophenszenarien gibt. Die Probleme, die sich mit Sicherheit stellen werden, sind ausnahmslos lösbar. Es dürfte jedoch eine gefährliche Illusion sein, hier auf "ziemlich leichte" Lösungen zu bauen.

Jene ziemlich leichten Lösungen, die Gehrmann anbietet, stammen alle aus dem Arsenal der Parteien, die für die heraufziehenden Schwierigkeiten entscheidende Verantwortung tragen und nun zögern, der Bevölkerung klaren Wein einzuschenken. Schon vor Jahren forderte der Nestor der Sozialwissenschaften, Pater von Nell-Breuning, die Politiker auf, endlich den Bürgern zu bekennen: "Alles, was wir Euch über die Finanzierbarkeit des Rentensystems erzählt haben, ist Unsinn." Doch diesen Mut haben die Politiker nie gehabt. Statt dessen verabreichen sie in einer Art Allparteienkoalition Beruhigungspillen, die die Kräfte zur Lösung der Probleme eher lähmen ab stärken.

Was sind solche Pillen?

Bundesarbeitsminister Blüm ergeht sich gerne in den Visionen einer unverbrüchlichen Solidarität von Beitragszahlern und Ruheständlern, die gemeinsam von einem fürsorglichen Staat gestützt werden. Beitragszahler, Bund und Rentner – in dieser Formation sollen nach seinen Vorstellungen alle Gefährdungen der Alterssicherung abgewehrt werden.