Zögernd schreitet der Friedensprozeß in Mittelamerika voran

Von Horst Bieber

Mittelamerikanische Realität läßt sich oft nur mit einem Paradoxon umschreiben: Der Friedensplan der fünf Staaten ist an der ersten Hürde gescheitert und hat deswegen eine echte Chance, Wirklichkeit zu werden. Binnen neunzig Tagen, so hatten sich die Präsidenten von Guatemala, Honduras, El Salvador, Nicaragua und Costa Rica Anfang August in Guatemala-Stadt verpflichtet, sollte in der gesamten Region Waffenstillstand herrschen, sollten nationale Versöhnungs-Kommissionen berufen und bestimmte demokratische Grundrechte eingeführt oder wiederhergestellt werden. In drei Monaten war mithin zu verwirklichen, was in Jahren zuvor nie erreicht werden konnte, und selbst Gutwillige zweifelten an so viel Optimismus.

Zwar wurde der vorgesehene Termin (5. November) für alle diese Schritte nicht eingehalten; er mußte um zwei Monate auf Anfang Januar 1988 verschoben werden. Aber anders als bei manchen Plänen, die mit lateinischem Pomp und Pathos in Szene gesetzt wurden, überdauerte der Wille, das Friedenskonzept zu erfüllen, die erste Enttäuschung. Ein Großteil Optimismus wurde durch Realismus ersetzt – auch das in der lateinamerikanischen Politik-Kultur keine Selbstverständlichkeit.

Freilich geht mit dieser Entwicklung eine wichtige Klammer verloren, die Gleichzeitigkeit bestimmten Maßnahmen in allen fünf Ländern. Der gemeinsame Friedensprozeß spaltet sich auf in nationale Einzelprozesse, in deren Verlauf die spezifischen Widersprüche oder Hindernisse wieder größeren Einfluß gewinnen. Verlorenzugehen droht auch das mühsam errungene Bekenntnis, daß Frieden unabdingbar mit Freiheit und Demokratie verbunden ist. Und deutlicher wird auch, daß im ehrgeizigen Vorhaben von Guatemala zwei völlig verschiedene Komponenten miteinander verknüpft waren: die Komponenten Nicaraguas (so empfinden es die vier Mit-Unterzeichner) und die jeweiligen nationalen Unruhen in den übrigen Staaten. Die Versicherung, man wisse sich in einem Boot und müsse nur fünf Paar Riemen im Gleichtakt bewegen, um beide Probleme gleichzeitig lösen zu können, gilt nicht mehr uneingeschränkt,

Guerilla und Regierung

Vordergründig handelt es sich um drei Komplexe, die miteinander zusammenhängen,