zu neuen Jobs

Von Martin Tofern

Wenn Manager in die Jahre kommen, dann wackeln ihre Stühle. Die Konkurrenz schläft weniger denn je, und die Anforderungen an einen Leitenden sind hart. „Die einzige Gefahr für den Kapitalismus sind schlechte Manager“, sagt der zynisch-bissige Erzkapitalist Malcolm Forbes. So feuern die Unternehmen – ähnlich wie Fußballvereine ihren Trainer – flugs den Manager, wenn die Zahlen nicht mehr stimmen. Dabei sind die Arbeitgeber mit mehr oder weniger ehrlichen Begründungen schnell bei der Hand: Man sei eben den Gesetzen des Marktes unterworfen, „verkrustete Führungsstrukturen“ könne man sich nicht leisten. Auch der studierte Ökonom Fritz Stoebe ist einmal derart zur Kruste geworden: Mit 54 Jahren gehörte er plötzlich zum alten Eisen. Seinen Stuhl als Geschäftsführer einer Unternehmensgruppe mußte er für einen Jüngeren freimachen. Er mußte ausscheiden, wie das euphemistisch heißt. Heute, zehn Jahre danach, bezeichnet er diesen Rausschmiß als Glücksfall.

Fritz Stoebe, der Rausgeworfene, hat einen neuen Job gefunden: Er hilft nun seinerseits den Unternehmern, unbrauchbar gewordene Leitende rauszuschmeißen – auf die nette Tour. Seine Unternehmensberatung Dr. Stoebe, Kern und Partner, 1979 als Ein-Mann-Betrieb gegründet, bietet skrupulösen Arbeitgebern sowie deren geschockten Opfern etwas ganz Besonderes: Outplacement. Das ist zwar nur ein eleganteres (weil englisches) Wort für den Rauswurf, doch dahinter steckt mehr. Der Outplacement-Service ist eine Art psychologisches Wiederaufbauprogramm für gebeutelte Managerseelen. „Sie dürfen sich dabei aber keine imaginäre Psychiater-Couch vorstellen“, sagt Fritz Stoebe.

Eine große Portion Seelenmassage gehört natürlich doch dazu zum sanften Rauswurf. Meist schon vor der eigentlichen Entlassung setzen sich die Arbeitgeber mit Stoebes Firma in Verbindung, die sich dann den Abschußkandidaten vornimmt.

Bei einem gekündigten Manager soll gar nicht erst das entwürdigende Gefühl aufkommen, er sei arbeitslos. Jahresgehalt und Abfindung allein können nämlich dieses Gefühl nicht ausreichend verdrängen. Zumindest nicht bei Leitenden. So begegnen denn die Outplacement-Berater ihren „Kandidaten“ mit Verständnis, Wertschätzung und Anerkennung ihrer Leistung. Zart wird der Ex-Manager bei der Hand genommen. Da er es gewohnt war, über ein eigenes Büro, Telephon nebst Sekretärin zu verfügen, steht ihm bei Stoebe ein ähnlicher Apparat zur Verfügung.

Dort im Büro beginnt die eigentliche Arbeit. Da es viele Manager gar nicht nötig hatten, sich irgendwo zu bewerben, sind sie dazu auch nicht in der Lage. Das müssen sie erst lernen. Noch wichtiger ist die Frage, wo sich ein Kandidat bewerben soll. Denn offensichtlich ist er ja mit seiner bisherigen Aufgabe nicht zu Rande gekommen. Dafür entwickeln die sanften Rausschmeißer ein „exaktes Know-how-Profil“. Berufliche und persönliche Stärken, Neigung und Eignung des Kandidaten sollen herausgearbeitet werden. Dabei gehen die Berater sehr sorgfältig vor. Die meisten Bewerber sind über vierzig: Die nächste Stelle soll die letzte sein. Bei der Stellensuche soll es aber nicht darum gehen, die bisherige Position bei einem neuen Arbeitgeber zu duplizieren. Alle beruflichen Möglichkeiten werden ins Kalkül gezogen. „In der freien Wirtschaft gibt es eben nicht mehr den Beruf fürs Leben“, sagt Fritz Stoebe.