Ein buchstäblich historisches Erfolgserlebnis hatte der SPD-Abgeordnete Wolf-Michael Catenhusen. Die österreichische Nationalbibliothek fragte bei ihm an, ob er nicht Photo und „eigenhändig geschriebene Bekanntgabe der wesentlichsten biographischen Daten“ nach Wien schicken könnte.

Sinn der Anfrage: Catenhusen wurde für würdig befunden, in die Sammlung der 800 000 Porträts einzugehen, mit denen die Nationalbibliothek die „Universalität menschlicher Leistung auf allen Gebieten zu allen Zeiten und in allen Zonen weiterzupflegen“ gedenkt...

Catenhusen kam der Bitte um „geneigte Berücksichtigung“ des Ersuchens gerne nach. Schließlich war sie von einem Wirklichen Hofrat und mit der Anrede „Euer Hochwohlgeboren“ an ihn gerichtet worden. Solcher Zuvorkommenheit konnte selbst der „Demokrat ohne innere Verbundenheit mit monarchischen Traditionen“ (Catenhusen über Catenhusen) nicht widerstehen.

Ein geistliches Wort für die Bundespost legte Pfarrer Volkmar Thedeus-Jekel aus Wiesbaden ein. Zu einer Postille der Deutschen Postgewerkschaft steuerte er die Sätze bei: „Die geplante Neuordnung der Post kann zur erheblichen Verteuerung von Briefen, Paketen und Telephon führen. Das wäre sehr unsozial und damit unchristlich, meine ich.“

Niemand wird dem Pastor seine Meinung nehmen wollen. Ihr Einsatz im Kampf gegen die Reformvorstellungen von CDU-Minister Christian Schwarz-Schilling ist jedoch ungewöhnlich. Die Frage drängt sich auf: Will die Postgewerkschaft der CDU das Monopol fürs Christliche bestreiten, oder sucht sie im Kampf um die Erhaltung des Post-Monopols theologische Argumente?

Ungewohnte Reaktionen registrierten die Autoren des Sondermemorandums, mit dem alternative Ökonomen vorletzte Woche zum Thema „Börsen- und Dollarkrise – Gefahren für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung“ Stellung bezogen. Der Bremer Professor Rudolf Hickel: „Wir waren überrascht, daß in den Zeitungen ausführlich kommentiert wurde, und zwar überwiegend positiv.“ Das Fernsehen habe zwar Berichterstatter geschickt, dann aber nichts gesendet, weil die Börsenkurse am Tag der Pressekonferenz gerade stiegen. Offensichtlich galt damit in manchen Funkhäusern die Krise als beendet.

Eine immerhin „im Ansatz zutreffende Ursachenanalyse der aktuellen Börsen- und Dollarkrise“ bescheinigte das industrienahe Institut der deutschen Wirtschaft den Autoren des Memorandums, ansonsten setzten sie aber falsche Akzente. Die Begründung: „Anders, als sie unterstellen, war die wirtschaftliche Lage vor Ausbruch der Turbulenzen an den Finanzmärkten nicht durch rezessive Tendenzen, sondern durch eine allmähliche Aufhellung des konjunkturellen Horizonts gekennzeichnet.“