Von Dorothea Hilgenberg

Am Anfang aller olympischen Rekorde steht das Brainstorming der Werbestrategen und Spielzeugproduzenten. Lange bevor der Grundstein für die erste Sportarena gesetzt wird, haben sie bereits Motto und Maskottchen für das bevorstehende Ereignis gefunden.

Das Motto für die XV. Winterspiele ist kurz und bündig und bedarf keiner komplizierten Übersetzungen: „Come together in Calgary.“ Der außergewöhnliche Einfall der Kreativen bestand eher darin, es zum erstenmal mit zwei Maskottchen zu versuchen. Sie dachten sich ein Pärchen possierlicher Plüschbären aus, „Hidy“ (sprich: Heidi) und „Howdy“ (sprich: Haudi). Das Duo hielt auch das Auswahlkomitee aus örtlichen Kaufhaus-Managern für am besten geeignet, den Sportsfreunden aus aller Welt Olympia ’88 zu verkaufen. Schließlich bürgen selbst die Namen der pausbäckigen Teddys noch für ein völkerverbindendes Programm: Hidy bedeutet „hallo“ und Howdy wie geht’s?“.

Gutgelaunt winken sie von Regalen, Plakaten und Reklametafeln herunter, grüßen aus Schaufenstern, tapsen durch Werbespots und Olympiafilme. So, als müßten sie mit Macht den Willen der Veranstalter beschwören, „die schönsten Spiele zu organisieren, die es je gab“. Die Manager spekulieren wirklichkeitsnah, daß bis zum 13. Februar manch Unbill während der Vorbereitungszeit aus der Erinnerung der großen olympischen Gemeinschaft getilgt sein wird.

Stolz wird das Organisationskomitee den ersehnten eineinhalb Millionen Besuchern die derzeit kühnsten und modernsten Wintersportanlagen präsentieren, deren Rechnungen Provinz- und Zentralregierung zudem vorsorglich zu bezahlen versprachen. Eine Pleite zwischen halbfertigen Gebäuden, über die sich die Welt während der Spiele von Montreal (1976) mokierte, wollte man um jeden Preis vermeiden.

So kann sich der bisher stiefmütterlich behandelte Westen Kanadas freuen, mit allen Schikanen ausgestattete Einrichtungen zu besitzen. Das Problem wird allenfalls darin bestehen, sie in der Zeit nach dem 28. Februar mit halbwegs hochkarätigen Wettkämpfern zu füllen.

Wo Cowboys während des sommerlichen Rodeo-Festivals ihre Pferde fütterten, steht jetzt der 350 Millionen Dollar teure „Saddledome“, ein sattelförmig geschwungenes Eisstadion (für Hockey und Eiskunstlauf). Am Rande der Stadt wurde für 60 Millionen Dollar ein Olympiapark mit Sprungschanzen, Bob- und Rodelbahnen angelegt. Während für die Eröffnungsfeier lediglich das McMahon-Footballstadion (für 15,8 Millionen Dollar) ausgebaut wurde, schuf man mit dem „Olympic Oval“ das „größte überdachte Eisschnellauf-Stadion der Welt“ (gut 35 Millionen Dollar). Bescheiden blieben allenfalls Langläufer und Biathlonkämpfer. Ihr nordisches Zentrum in Canmore kostete lediglich 15,4 Millionen Dollar.