Wie die Schreckensherrschaft von Jean-Bedel Bokassa ihr Ende fand /

Von Alex Shoumatoff

Der Kaiser hofft auf Gnade. Jean-Bedel Bokassa, die weiland selbsternannte Majestät der Zentralafrikanischen Republik, sitzt in seiner vergleichsweise luxuriösen Zelle im Militärgefängnis Camp de Roux, die Wächter sind vermutlich bestochen, Vertraute aus alten Herrschertagen sorgen sich um sein Wohl – beispielsweise darum, daß Bokassa nicht vergiftet wird.

Er ist der einzige politische Gefangene des Landes – ein groteskes Schaustück –, der in seiner Gier und seinem machtlüsternen Geltungsdrang keine Schranken kannte. Der Schrecken seiner Regierungszeit sitzt der Bevölkerung noch in den Knochen. Die Berufung gegen sein Todesurteil wurde vom Obersten Gerichtshof abgelehnt. Sollte Staatspräsident André Kolingba den „schwarzen Napoleon“ begnadigen – als Anlaß böte sich der erste Jahrestag der neuen zentralafrikanischen Verfassung am 28. November oder der Nationalfeiertag am 1. Dezember an –, so rechnen viele Diplomaten in der Hauptstadt Bangui damit, Bokassa könnte ein „rascher natürlicher Tod“ im Gefängnis ereilen. „Man kann sich ja hier so einiges zuziehen“, meint einer dieser Afrika-Kenner – auch wenn seit Bokassas Tagen wieder die Zivilisation in der Republik eingezogen ist. Der Prozeß gegen Bokassa soll dafür als Beweis dienen.

Mit gesenktem Haupt, doch ohne jede Gefühlsregung, so hatte Jean-Bedel Bokassa im vergangenen Juni sein Urteil zur Kenntnis genommen: Todesstrafe. Er wurde im Sinne der Anklage für schuldig befunden – nur bei einem Vorwurf reichten die Beweise nicht aus: Man hatte ihm vorgeworfen, Menschen gegessen zu haben; die Anklage lautete auf „Anthropophagie“ – Kannibalismus – und dem Horten von Kadavern. Daß er Schulkinder zu Tode geprügelt, seinen zweijährigen Enkel vergiftet und Dutzende seiner Berater ermordet hatte, genügte bei weitem, um den bizarren Despoten zum Tode zu verurteilen.

Gemeinsam mit Idi Amin Dada von Uganda und Masie Nguema Bijogo aus Äquatorialguinea zählt er zu den drei großen Monstren, Les Grands Monstres, des postkolonialen Afrika.

Sechs Jahre nachdem die Zentralafrikanische Republik die Unabhängigkeit erlangt hatte, putschte sich Bokassa 1966 mit der Unterstützung der früheren französischen Kolonialherren an die Spitze des Staates. 1977 erklärte er sich selbst zum Kaiser und verschwendete 50 Millionen Mark bei einer lachhaft prunkvollen Krönungszeremonie. Als zwei Jahre später seine Ausschweifungen sogar dem französischen Präsidenten Giscard d’Estaing, seinem früheren Freund, peinlich wurden, stürzten ihn die Franzosen von seinem Thron und setzten wieder den Mann ein, gegen den Bokassa ursprünglich geputscht hatte. Der gefallene Kaiser verbrachte vier Jahre im Exil in der Elfenbeinküste und drei Jahre in einem heruntergekommenen Schloß außerhalb von Paris. Dann kehrte er plötzlich und mysteriös aus freiem Willen in seine Heimat zurück und stellte sich dem Gericht. Für eine Vielzahl jener Verbrechen, die ihm neuerlich vorgeworfen wurden, war er bereits 1980 in absentia zum Tode verurteilt worden. Nun stand Bokassa Rede und Antwort – und erzählte Lügen. In Bangui, der Hauptstadt, war bald eine neue Redewendung zu hören: „Du lügst wie Bokassa!“