Volker Wachenfeld: „Keine Lust auf Pizza“

Filmstar Julia, achtzehn Jahre alt, fliegt mit ihrem Ehemann, einem fünfundsechzigjährigen amerikanischen Milliardär, im Privatjet in Berlin ein zum deutschen Start ihres neuen Films. Frauenmagazin-Reporter Roeder hat das Glück, als erster zum Interview vorgelassen zu werden: ins Badezimmer, wo die Diva im Schaumbad liegt. Im Anschluß ans branchenübliche Frage- und Antwortspiel fährt Roeder durch die Großstadt, sammelt am Abend zwei fremde Mädchen, schwedische Touristinnen, auf, fährt mit ihnen in einen Wald und ermordet sie. Parallel dazu passiert ein Beinah-Mord: Julia hat im Hotelzimmer eine Auseinandersetzung mit ihrem Mann, der „ihr Leben bezahlt, sie gemacht hat“. Seinem Zynismus antwortet sie mit plötzlicher Wut, er stolpert, fällt hin, sie schlägt auf ihn ein, bis er reglos (nicht tot, wie sich später herausstellt) liegenbleibt. Stoff für eine Kolportage. Volker Wachenfeld hat aus dieser (im Kern authentischen) Geschichte eine spannende Kriminalstory gemacht (Suhrkamp Verlag, Frankfurt 1987, 90 S., 9,– DM). Mit der knappen, präzisen Beschreibung der Außenwelt, ihrer Entlarvung als Scheinwelt, zeichnet er die Innenwelt seiner Personen. Menschen, die, geblendet von Glamour und Glitzer, von Macht durch Millionen, verformt, krank, wahnsinnig werden. Für den Reporter Roeder ist jedes Prominenten-Interview „ein Kampf gegen einen Star, der, vor ihm, sein Starleben vorführt“. Ein Kampf (mit seinen Wünschen, Ängsten, Obsessionen), so weiß er jedesmal, den er verlieren wird. Die Mädchenmorde aus Revanche: Roeder steht im Mittelpunkt der Öffentlichkeit, der Blitzlichter, des Interesses einer Illustrierten, die seine Geschichte exklusiv gekauft hat. Der Mordprozeß: ein Kampf, bei dem „niemand wußte, wer gewonnen oder verloren hatte“. Volker Wachenfeld zeigt in seinem Erstling beachtliches, aber auch noch durch Klischees begrenztes sprachliches Talent. Anne Linsel