Ein junger Mann wird im Wald erhängt aufgefunden. Unversehens gerät ein anderer in die dubiosen Geschäfte eines zwielichtigen Transportunternehmens. Dort arbeitet eine junge Frau, die mehr weiß, als sie sagt, und die auf Rache sinnt. Die Leiterin einer Sonderkommission für Umweltkriminalität sucht zur gleichen Zeit verzweifelt nach Firmen, die im Schatten eines Chemiewerkunfalles zusätzlich Gift in den Rhein geleitet haben.

Kommissar Katzbach von der Mordkommission Düsseldorf braucht nicht viel Zeit, um zwischen diesen Ereignissen einen Zusammenhang herzustellen. Doch was er herausfindet, geht über Entlarvung und Festnahme der Schuldigen hinaus.

Kommissar Katzbach, „der Kater“, war vor Schimanski da. Seit 1968 belebt er die Jugendliteraturszene. Seine Rückkehr – in der Fiktion nahm er einen Lehrauftrag an einer westafrikanischen Polizeiakademie wahr – muß gefeiert werden. Von Anfang an verkörperte der Kater nicht den klassisch-angelsächsischen Who-has-done-it-Detektiv, sondern eine für jugendliche Leser faßbare Variante der an US-hard-boiled Detektiven und Kommissaren orientierten Verfechter von Gerechtigkeit. In deren Tätigkeitsbereich können die bürgerlich definierten Kategorien von Opfer und Täter schon einmal durcheinander geraten.

Das Milieu ist entscheidend und schafft die Art von Kriminalität, die der Kater mit Vorliebe aufdeckt. Pestum beschreibt, was er kennt, was ihn geprägt hat und was in vielen seiner Bücher nicht nur als Kulisse, sondern auch als Motor, Motivation und Seelenlandschaft fungiert: die Rhein-Ruhr-Stadtlandschaft, die unvergleichliche Mischung von proletarischem Kohlenpott und den „reichen Vettern vom Rhein“.

Das gilt auch für den ersten Fall nach der Rückkehr des Katers. Latente Brutalität von Bundesligastadien, kleinbürgerliche Vorortwohnviertel mit dichter sozialer Kontrolle, der öde Bürokram kleiner Firmen – junge Leute, um die es Pestum geht, treffen hier auf die Versuchung des großen Geldes und liefern die tödliche Spielart jugendlichen Sinnes für Gerechtigkeit.

Doch die Sozialkritik bleibt den Gesetzen des Krimis untergeordnet. Schnell wechseln Handlungsorte, Gefühle und Pointen. Es geht vornehmlich spannend, unterhaltsam und – wo der Kater auftaucht – ironisch-sarkastisch zu. Pestum schreibt zur Zeit die besten Jugendkrimis hierzulande. Hoffentlich bekommt der Kater in nächster Zeit keinen Lehrauftrag mehr und bleibt in Düsseldorf! Birgit Dankert

  • Jo Pestum: