Daß auch Berlin einen Beitrag zur Finanzierung der Steuerreform würde leisten müssen, war immer unbestritten. Aber die ursprünglich genannten 1,2 Milliarden Mark, die vor allem an der Investitionszulage und an der Umsatzsteuerpräferenz für die Abnehmer von Berliner Produkten gespart werden sollten, waren denn doch zuviel. Und auch mit den jetzt heruntergehandelten 800 Millionen Mark kann die Berliner Wirtschaft nicht so zufrieden sein wie die regierende CDU, die plötzlich als Erfolg verkauft, was noch vor Wochen als indiskutabel bezeichnet wurde. Dem Zonenrandgebiet mit weit höherem Sozialprodukt werden nur Kürzungen von 600 Millionen Mark abverlangt.

Es hat wohl mehrere Gründe, daß Berlins Wirtschaft nun überproportional zur Kasse gebeten wird. Der Berliner Senat hat mit eigenen Kürzungsvorschlägen nicht aufgewartet und konnte dann nur noch Feuerwehr spielen. Das Bewußtsein für die Probleme Berlins läßt in Bonn mit dem Generationswechsel der Ministerialbürokratie spürbar nach. Und die Erfolge der Berliner Wirtschaftspolitik wurden etwas zu euphorisch dargestellt, so daß in Bonn als zumutbar erschien, was in Berlin jetzt schmerzt. Die geteilte Inselstadt ist ein sensibles Gebilde und bleibt auf Zuschüsse angewiesen. jn