In den alten Erfolgsrezepten liegen die Wurzeln der neuen Wirtschaftskrise

Tokios Kurswechsel vom Export zum Binnenmarkt

Von Christoph Deutschmann

Japans Arbeitnehmer sind produktiver!“,so schalt noch vor Jahren der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff nach einer Reise in den fernen Osten die bundesdeutschen Faulpelze. Und fügte drohend mit Blick auf die Gewerkschaften hinzu: „Was wir sicherlich auch von ihnen lernen können ist, wie man sich mit seinen Ansprüchen an das Bruttosozialprodukt zu bescheiden hat, wenn man die Volkswirtschaft insgesamt im Gleichgewicht halten will.“ Heute zeichnet sich ab, daß Graf Lambsdorff irrte: die japanische Wirtschaft steckt in der Krise.

Nicht nur dem einstigen Minister galt die japanische Wirtschaft seit dem ersten „Ölschock“ Mitte der siebziger Jahre als ein Modell, das weltmarktbedingte Krisen optimal bewältigte: als ein System, dem es gelungen zu sein schien, raschen Strukturwandel und ein schnelles Tempo von Prozeß- und Produktinnovationen mit hohen Wachstumsraten des Sozialprodukts und mit niedriger Arbeitslosigkeit zu verbinden.

Dies war vielmehr vorherrschende Lehrmeinung in der Ökonomielehre.

Seit etwa eineinhalb Jahren jedoch kriselt das scheinbar grenzenlos florierende Wirtschaftswunderland. Eine grundlegende Strukturkrise mit sich abzeichnender Massenarbeitslosigkeit wirft ihre Schatten voraus.