Börsenjongleur Carl C. Icahn ist jetzt größter Einzelaktionär bei dem amerikanischen Ölkonzern

Von Rainer Hupe

Er pflegt den Stil eines britischen Gentleman. Robert Holmes à Court ist nicht nur einfach reich mit allen Insignien des Geldes, sondern er legt auch Wert auf die besondere britische Note. Das Prunkstück seiner Sammlung erlesener Luxusautos etwa ist ein Rolls-Royce aus dem Jahre 1925. Natürlich gehören ihm auch ein paar teure Rennpferde. Der Gipfel aller anglophilen Attribute aber ist die Familientradition, die sogar aristokratischen Ansprüchen gerecht wird: Die Ahnengalerie reicht zurück bis vor das Jahr 1066, als die Normannen England eroberten, und es gibt sogar Verbindungen zu einem echten Baron.

Doch der fünfzigjährige Multimillionär hat einen australischen Paß, keinen britischen. Und im Oktober wurde ihm so drastisch wie wohl selten zuvor klargemacht, daß er das Gegenteil eines Adligen von der europäischen Insel ist: ein Neureicher. In kaum mehr als zehn Jahren hatte er mit immer spektakuläreren Börsenmanövern und Firmenaufkäufen eines der größten Vermögen in Australien angehäuft. Als die Börsen am 19. Oktober einen bis dahin beispiellosen Zusammenbruch erlebten, verlor Holmes à Court mindestens eine halbe Milliarde Dollar, schätzen Börsianer an der New Yorker Wall Street.

Er schien es mit Fassung zu tragen, eben wie ein Gentleman. Es sei ja nur Papier, soll er gesagt haben, wie manch anderer Großbesitzer von Aktienkapital auch. Inzwischen aber mehren sich die Anzeichen, daß Holmes à Court gar nicht mehr so gelassen ist. Der Mann, der vor allem in den vergangenen Jahren, als die Börsen boomten, fast jeden Kredit bekam, um seine Geschäfte zu finanzieren, scheint in argen Geldnöten zu sein. Vorige Woche verkaufte er für 348 Millionen Dollar die Hälfte seines Anteils an dem Ölkonzern Texaco, für den er selbst im Mai 450 Millionen Dollar gezahlt hatte, an einen amerikanischen Börsenjongleur seines Kalibers: Carl C. Icahn, der bereits selbst Aktien von Texaco besaß und in Zukunft auch die Stimmrechte für den bei Holmes à Court verbliebenen Anteil ausüben wird, kontrolliert nun gut zwölf Prozent des Kapitals und ist damit größter Einzelaktionär bei dem viertgrößten Ölkonzern der Vereinigten Staaten.

Kampf der Giganten

Das Geschäft ist aber nur vordergründig ein Monopoly zwischen einem Verlierer und einem Gewinner des größten Börsenkrachs der Wirtschaftsgeschichte. Denn Icahns Offensive bringt eine selbst für amerikanische Verhältnisse außergewöhnlich erbittert geführte Firmenfehde wieder ins Rampenlicht. Seit fast vier Jahren kämpfen Texaco und die texanische Ölgesellschaft Pennzoil gegeneinander. Alle Gerichtsinstanzen sind ausgeschöpft bis auf das oberste Gericht, den Supreme Court. Dabei geht es um die Summe von zehn Milliarden Dollar, die Texaco bezahlen soll, und damit um die Existenz des Unternehmens. So ganz nebenbei ist auch noch das Gerichtssystem der Vereinigten Staaten in Verruf geraten.