„Das Unternehmen ist ihm wichtiger als die Sippe“, schrieb die ZEIT im Februar 1969 über den damals fünfzigjährigen Otto Wolff von Amerongen und wollte damit dessen unternehmerische Weitsicht bei der Umwandlung der väterlichen Firma in die Otto Wolff AG rühmen. Wolff war gerade als Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT) gewählt worden, hatte sich zuvor bereits als Wegbereiter des westdeutschen Osthandels einen Namen gemacht und bereitete sich darauf vor, über Jahre hinweg einer der einflußreichsten Wirtschaftsführer der Bundesrepublik zu werden.

Am vergangenen Mittwoch nun kündigte Wolff in einem Brief an alle Präsidenten der Industrie- und Handelskammern in der Bundesrepublik seinen lange erwarteten Rückzug von der Spitze des DIHT für den März 1988 an. Wolffs Abschied kam wesenlich später als geplant und er fällt unerwartet bitter aus. Seit die Otto-Wolff-Tochter PHB Weserhütte am Rande des Konkurses dahinschliddert, ist Wolff nicht mehr nur politisch umstritten. Jetzt werden auch seine unternehmerischen Fähigkeiten in der Öffentlichkeit in Frage gestellt. Die Zeit des Ruhestandes muß der nun fast Siebzigjährige nutzen, um den angeschlagenen Konzern wieder in Ordnung zu bringen.

Seit zwei Jahren schon hatte eine „Findungskommission“ nach einem Nachfolger für Otto Wolff gesucht. Jetzt legte Wolff selbst deren Vorschlag für die Vollversammlung des DIHT am 9. März nächsten Jahres auf den Tisch: Hans Peter Stihl, weltweit erfolgreicher Motorsägenfabrikant aus Waiblingen. Der 55jährige Schwabe, der sich bundesweit einen Namen als Verhandlungsführer der Metallindustriellen in Nordwürttemberg und Nordbaden machte, gilt als zäher und gewiefter Tarifpolitiker. In diesem Frühjahr allerdings mußte Stihl auf den gewohnten Pilotabschluß in seinem Bezirk verzichten. Den Rahmen für den historischen Drei-Jahres-Vertrag handelten die Spitzen von Gewerkschaft und Arbeitgeberverband auf Bundesebene aus. Erbost, berichten Insider, verließ Stihl damals den Verhandlungsort vorzeitig.

Sein Interesse für die Position des DIHT-Präsidenten allerdings hat mit der internen Auseinandersetzung bei Gesamtmetall nichts zu tun. Es besteht seit Jahren. Bei einer Wahl des Nachfolgers von Hans Peter Stihl als Verhandlungsführer der Arbeitgeber im Südwesten aber wird Gesamtmetall es sich wohl nicht nehmen lassen, auch seinen Favoriten ins Gespräch zu bringen. Namen werden freilich noch nicht genannt.

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Zwei Jahre lang hat der nun 89jährige Bernhard Rothfos nach einem Partner gesucht, dem er sein Unternehmen, eines der größten Rohkaffee-Handelshäuser der Welt, übergeben kann. Damals, im Herbst 1985, glaubte er schon fündig geworden zu sein. Die Schweizer Schokoladen- und Kaffeefirma Jacobs sollte das Erbe in Hamburgs Freihafen antreten. Doch das Bundeskartellamt mochte der Ehe zwischen dem großen Röster und dem großer Importeur, der neben Jacobs auch dessen Konkurrenten am bundesdeutschen Markt beliefert, nicht absegnen. Aus den gleichen Gründen kamen auch die Röster Tchibo und Eduscho, die ihr Interesse bekundet hatten, nicht zum Zuge.

Nun endlich hat Rothfos, dessen Söhne Cuno und Jan Bernd sich mit eigenen Firmen am Kaffeemarkt etablierten, seinen Erben gefunden – im fünften Stock des Hauses am Sandtorkai Nr. 4 bis 5, von dessen sechsten Stock aus Bernhard Rothfos sein weltweites Geschäft steuert: Hanns R. Neumann, Alleininhaber der gleichnamigen Firma und bisher Rothfos’ schärfster Konkurrent im Rohkaffeegeschäft, wird die Mehrheit von Rothfos übernehmen. Während Rothfos, unumstrittener Branchenführer, der rund zehn Prozent des weltweiten Rohkaffee-Exports kontrolliert und 1986 rund 3,7 Milliarden Mark umsetzte, im vergangenen Jahr durch den drastischen Fall der Rohkaffeepreise überrascht wurde und deshalb Verluste von 150 Millionen Mark hinnehmen mußte, wird Neumann in der Branche ein sehr geschicktes Agieren nachgesagt. Nun kann nicht einmal mehr das Kartellamt in Berlin Einwendungen erheben. Denn nach dem Dollar- und Kaffeepreisverfall dürfte der Rothfos-Umsatz unter zwei Milliarden Mark gesunken sein. Neumann erlöst nach Branchenschätzungen weniger als eine Milliarde – das Kartellgesetz greift da nicht mehr. Und Hamburg hat einen neuen Kaffee-König.