Eigentlich hieß er Guido di Pietro und war unter diesem Namen auch schon als Maler bekannt, als er um 1418 in das Dominikaner-Kloster von Fiesole eintrat und hier den Namen Fra Angelico erhielt. Sein Beiname Beato Angelico und die Zusammenziehung zu Fra Angelico, als der er, der Mönch und hervorragende Künstler seiner Zeit, uns heute bekannt ist, sind ein von seiner Umgebung gegebener Hinweis auf seine Konstitution, die vom Glück des Glaubens bestimmt war. Seine Darstellungen der Sujets der Heilsgeschichte, einen halben Kontinent und mehr entfernt von der spröden Strenge seines norddeutschen Zeitgenossen Meister Francke, scheinen immer geprägt von einem selbstverständlichen, fast naiven Glauben. Die Anmut der Engel, die Frömmigkeit der Mutter Gottes und der heitere Glaube der Heiligen sind seine Themen, nicht die Fratzen der Verdammten und die Schrecken des Jüngsten Gerichts, die in seiner Darstellung eher komisch wirken. Um so erstaunlicher seine Darstellung des verhöhnten Christus (ein Fresko des von ihm ausgestatteten Klosters San Marco in Florenz), das auf einmal das Detail der Heilsgeschichte abstrahiert, ins Surreale steigert. Auch deshalb ist es unverständlich, warum Fra Angelico, dessen gotische Frömmigkeit gelegentlich auch von einem hellen Strahl der Renaissance illuminiert wurde, im Text eines wunderschönen Bildbands mit Girlanden rhapsodischer Rhetorik behängen wird. Wenn man sich freilich bei dieser Publikation nur an die Abbildungen hält, die Detailaufnahmen, und sich an den Finessen der Reproduktion auf Zwiebelhautpapier (das etwas von der Oberflächenstruktur der Freskomalerei wiedergibt) freut, dann kann man, wenn auch nicht „Das Licht der Seele“ (so der Titel des Bandes), wohl aber ein Wunder beseelter Malerei verfolgen (Jacqueline und Maurice Guillaud: „Fra Angelico – Das Licht der Seele“, Altarbilder und Fresken des Klosters San Marco in Florenz; Verlag Klett-Cotta, Stuttgart 1987; 397 S., 248,– DM)

Petra Kipphoff