Daß der schwindsüchtige Dollarkurs und der Aktienabsturz auch Auswirkungen auf das Reisegeschäft haben dürften, wird von der Touristikbranche noch schamhaft verschwiegen.

Alle touristischen Prognosen, die vor dem 19. Oktober abgegeben worden sind, seien nicht mehr zu verwenden, glaubt jedenfalls Hans Glaser, Geschäftsführer beim Deutschen Reisebüro (DER). So drastisch hat sich bisher noch niemand zu eventuellen Auswirkungen des großen Börsenkrachs und des Verfalls der amerikanischen Währung auf das Reisegeschäft zu Wort gemeldet. Die anderen Branchengrößen, so wird spekuliert, warten mit der Kommentierung der aktuellen Weltwirtschaftslage noch ab. Einen direkten Einfluß des schwarzen Börsenmontags auf das aktuelle Buchungsgeschäft kann DER-Chef Glaser allerdings nicht erkennen.

Wie ein niedriger Dollarkurs das Reisen von Europa in die USA stimuliert, haben die Anbieter bereits in diesem Jahr gespürt. Insgesamt wird erwartet, daß bis Ende 1987 mindestens 20 Prozent mehr Bundesbürger die Vereinigten Staaten besucht haben werden als im letzten Jahr. Daß dieser Boom auch 1988 anhält, wird von den deutschen Veranstaltern erwartet. Dabei wird die D-Mark in den Staaten eine begehrte Währung bleiben.

Trotz Boomphase bleiben die Ticketpreise für Flüge über den großen Teich wegen der bestehenden Überkapazitäten weiter niedrig. Ein Ticket nach den USA ist oft billiger als für einen innereuropäischen Flug, eine Amerikareise insgesamt kaum noch teurer als ein Kanarenurlaub.

Die Kehrseite der Medaille: Ob die Amerikaner 1988 angesichts ihres schwindsüchtigen Dollars noch zahlreich nach Europa kommen, ist eine andere Frage. Denn daß der Dollar kurzfristig klettern dürfte, wird nicht erwartet – zumal die US-Regierung die schwache Währung zur Exportankurbelung braucht, um damit vor den Wahlen ihr Außenhandelsdefizit abzubauen. Ebenso intensiv wie die amerikanische Währung beobachten die deutschen Großveranstalter die spanische Peseta. Die nämlich hat in den letzten Monaten gegenüber der Mark um rund zehn Prozent zugelegt. Für den kommenden Sommer haben zumindest die Großveranstalter ihre Pesetengeschäfte zwar im großen Rahmen abgesichert. Ansonsten wären Preiserhöhungen für Spanienurlauber wohl unumgänglich.

Der Börsenkrach hat letztendlich die finanzielle Basis einiger Airlines und Hotelkonzerne erschüttert. Sofern diese als Aktiengesellschaften strukturiert sind, sind ihre Wertpapiere ebenso in den Keller gesunken wie die anderer Wirtschaftsunternehmungen. Sicherlich hat der Wertverlust der Aktien noch keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Preise. Doch eine solche wirtschaftliche Einbuße muß sich zwangsläufig auf Konzernstrategien durchschlagen. Beschränkungen im Angebot, letztendlich auch Preiserhöhungen wären die Folge.

Willi Bremkes