Von Uwe M. Schneede

In den Auslagen der Juweliere hören in dieser Gegend die Preisangaben mit der Fünfstelligkeit auf; der Rest ist Vertrauenssache. Die Käufer-Flaneure mit ihren dezent geprägten Tüten sind ohne jene Hektik der Mönckeberg-Kaufinger-Hohe Straßen. Größere Beträge dämpfen.

Gleich nebenan drängt es sich in einem kleinen Eingang, der nichts verspricht, außer daß zur Zeit zwei Fahnen hängen mit der Aufschrift: Magritte. Eingang, also, in der Kunsthalle der Hypo-Bank, Kultur. Ohne daß der Bannkreis des Kommerzes verlassen werden müßte.

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Mal angenommen, man hat die eine oder andere Geschichte der modernen Kunst im Regal, aus jener Zeit, da sie noch aus pädagogischem Verlangen nach Erklärung der Moderne entstanden, aus den fünfziger und sechziger Jahren. Den Paul Ferdinand Schmidt nimmt man zur Hand und den Alfred Neumeyer, den Werner Haftmann und den Werner Hofmann. Bis E. W. Nay und Fritz Winter und Eduard Bargheer gehen sie. Aber einen René Magritte, Belgier, 1898 geboren, kennen sie nicht. Alle vier nicht.

Die Gründe mögen so verschieden sein wie die Autoren. Doch spielt bei dem einen oder anderen herein, daß man in den fünfziger und frühen sechziger Jahren die westliche Freiheit der Kunst vor allem in der Abstraktion realisiert sah. So war der Blick auf reflexive Bilder von der Realität wie von der Surrealität weitgehend verstellt. René Magritte: ein Unbekannter.

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