Von Frank Styzinski

Bereits zum zweiten Mal sind wir auf dem Pfad der Karawanen und Kameltreiber unterwegs. Zwei Jahre zuvor kamen wir – vier junge Männer auf Motorrädern – mangels Erfahrung nur bis In Salah. Diesmal soll es besser klappen mit der Reise nach Algerien. Durch das kurvenreiche Atlasgebirge geht es zunächst in Richtung Süden. In Hassi Bahbah, unweit des Ortes Djelfa, machen wir Bekanntschaft mit Kaki, einem Einheimischen. Im Laufe des Gesprächs stellt sich heraus, daß Kaki in Algier studiert und gerade seine Ferien im Heimatdorf verbringt. Da es sehr nach einem Sandsturm aussieht, will er uns für die kommende Nacht eine Bleibe besorgen – ein leerstehendes Haus in einem Neubaugebiet.

Heiß weht uns der afrikanische Wüstenwind entgegen. Auf dem Weg nach Laghouat machen wir einen Abstecher zu den Felsgravuren von Zaccar: Flußpferde, Krokodile, Elefanten, Giraffen.

Am Tag darauf haben wir 230 Kilometer auf geröllartigem Untergrund vor uns. Etwa 20 Kilometer hinter der Oase Hassi Dehla passiert’s: In einer unübersichtlichen Kurve auf einer Hügelkuppe bringt es mich fast zum Sturz. Sekunden später unterläuft Bernd der gleiche Fehler, so daß er sich mit seinem Motorrad zweimal überschlägt. Er trägt starke Prellungen davon. Wir holen Hilfe aus einer nahegelegenen Oase. Sliman, dem Algerier, schildern wir unsere Lage. Sofort ist er bereit, Bernd und das Motorrad mit seinem alten Auto ins Dorf zu transportieren. Am Abend kommt sogar der Dorfdoktor zum Verarzten.

Am folgenden Tag geht es Bernd besser. Nun benutzen wir wieder die Nationalstraße, und bei einbrechender Dunkelheit erreichen wir Ghardaia, eine von strenggläubigen Menschen bewohnte Stadt inmitten der Wüste. Frühmorgens werden wir vom Muezzin geweckt, der vom Turm des Minaretts die Gläubigen zum Gebet ruft. Die Mozabiten, die Bewohner der Stadt, gelten als fleißige Geschäftsleute und Händler. So hat sich Ghardaia zum Handelszentrum des Mzab, der hiesigen Region, entwickelt.

Die bunte Stadt mit ihren kleinen Gassen und dem arkadengesäumten Marktplatz lädt zum Spaziergang ein. Vormittags haben die Händler ihre Waren auf dem Boden ausgebreitet. Von Gewürzen, Zitrusfrüchten, Gemüse, Schmuck und Eisenwaren bis hin zu Tüchern und Teppichen ist hier alles zu bekommen. Kleine Gänge, schmale Torbögen und unzählige Treppen lassen die Stadt wie einen ungewöhnlichen Irrgarten wirken. Vom Innern der Häuser und von den Höfen bekommt man nichts zu sehen, denn die Fenster liegen meist auf der Seite der Innenhöfe. Dieser Bereich ist dem Fremden verschlossen.

Die heiligste aller Städte des Mzab ist Beni-Izguen. Um diese kleine Nachbarstadt Ghardaias besichtigen zu dürfen, muß man einen Führer engagieren. Rauchen und Radiomusik sind hier verboten, und Touristen haben keinen Zutritt zu den Palmengärten. Das Photographieren der Einwohner ist ebenfalls untersagt. Am Abend müssen alle Fremden Beni-Izguen verlassen haben.