Von Cordt Schnibben

Kiel, im Dezember

Brigitte Eichler stand vor dem Schleswig-Holstein-Saal und wartete darauf, die Wahrheit sagen zu dürfen. Doch man ließ sie nicht. Denn die ehemalige Chefsekretärin von Uwe Barschel war am Montag dieser Woche gar nicht geladen. Der Untersuchungsausschuß hatte sich für diesen Tag drei Herren aus dem Hause Springer bestellt.

Als den Ausschußvorsitzenden die Mitteilung des Anwalts von Brigitte Eichler erreichte, seine Mandantin stehe unter großem nervlichen Druck, sie wolle sich erleichtern, und – bitte – sofort aussagen, stellte der stets höfliche Richter a.D. "eine baldige Anhörung in Aussicht". Doch zuvor mußte er noch die Erklärung des Barschel-Anwalts Erich Samson verlesen, der ihm für seine "stets faire Verhandlungsführung" dankte und mitteilte, er habe sein Mandat niedergelegt. Schon diese Nachricht löste unter den Zuhörern im Saal Unruhe aus, konnten sie sich doch gut erinnern an die vehementen Verteidigungsauftritte des Rechtsprofessors. Nun machte die Begründung die Runde, er fühle sich von seinem Mandanten betrogen und belogen.

Danach durfte Brigitte Eichler immer noch nicht vor die Abgeordneten treten. Denn nun wollte erst einmal der Anwalt des ehemaligen Pressesprechers Herwig Ahrendsen der Wahrheit die Ehre geben und seinen Mandanten sich selbst der Unwahrheit bezichtigen lassen. Die Wahrheitssuchenden standen plötzlich Schlange an diesem Montag vor der Saaltür, hinter der der Untersuchungsausschuß des Kieler Landtages zur 54. Sitzung zusammengekommen war.

Ahrendsen ließ durch seinen Anwalt verlesen, er habe in einem Punkt, aber nur in einem Punkt, gelogen. "Meine Behauptung, mit Pfeiffer am 8. September 1987 aus dem parkenden Auto des Ministerpräsidenten telephoniert zu haben, entspricht nicht der Wahrheit. Ich bin vom Ministerpräsidenten Uwe Barschel bei meinem Besuch in Mölln am 27. September bedrängt worden, dieses Gespräch auf mich zu nehmen."