ZEIT: Herr Neumeister, in Europa und besonders in der Bundesrepublik häufen sich die Verspätungen im Luftverkehr. Was sind die Ursachen?

Neumeister: Es fliegen mehr Flugzeuge, als ursprünglich angenommen wurde und als die Infrastruktur nach heutigem Stand hergibt. 1987 fliegen auf Europas Flugstraßen vermutlich schon so viele Flugzeuge, wie die Flugsicherungsbehörde Eurocontroll erst für das Jahr 1991 vorausgesagt hat.

ZEIT: Wird es also bald heißen: Luftraum überfüllt, Zutritt verboten?

Neumeister: Das wird es bald heißen, wenn keine korrigierenden Maßnahmen getroffen werden. Einen Vorgeschmack haben wir ja in diesem Sommer bekommen. Wenn Linienflugzeuge, deren Flugpläne ja koordiniert sind, am Boden auf den Start warten oder sich länger in der Luft aufhalten müssen, so läßt das ganz klar darauf schließen, daß der Luftraum voll war. Und der ist insbesondere in der Bundesrepublik voll, wo es viel Überflugverkehr gibt.

ZEIT: Ist unter diesen Umständen die geplante Liberalisierung des europäischen Luftverkehrs überhaupt noch möglich?

Neumeister: Die Liberalisierung, wenn sie nur das hält, was man sich davon verspricht, wird einen zusätzlichen Wachstumsschub bringen. Aber auf diese Situation ist unsere Infrastruktur – damit meine ich Flughäfen und Luftstraßen – nicht vorbereitet. Im Moment sieht es so aus, daß wir näher an einer Verstopfung sind als die USA. Aber auch das künftige Wachstum wird die Zahl der Flüge in Europa erhöhen. Denn die Liniengesellschaften sind der Ansicht, daß man mehr Direktlinien fliegen muß, daß man häufiger fliegen muß, daß man neue Verbindungen schaffen muß. Und hier kollidieren die Planungen der Gesellschaften mit der vorhandenen Infrastruktur.

ZEIT: Welche Forderungen stellen denn nun die in ihrem Verband zusammengeschlossenen Fluggesellschaften andie Regierungen, die für die Infrastruktur zuständig sind?