Ein Ingenieur aus Konstanz bringt mit einem neuen Mikroprozessor die Industrie auf Trab

Von Gunhild Lütge

Sie sind besessen, manchmal sogar neurotisch, aber vor allem intelligent und voller Inspiration. In unbezahlten Nachtschichten und an Wochenenden gehen sie schon mal an die Grenze ihrer körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit. So beschreibt Tracy Kidder in seinem faszinierenden Buch "Die Seele einer neuen Maschine" jene Menschen, die im heute schon fast legendären Silicon Valley Computer bauen und Mikrochips entwerfen.

Kalifornien ist noch heute das Mekka der Computerfans und -profis. Jetzt brauchen sie nicht mehr so weit zu reisen, um zu erfahren, wie es geht. Ein kleines Team in Konstanz am Bodensee hat – im Wettkampf mit den großen Industriekonzernen der Branche – still und leise womöglich den schnellsten Mikroprozessor der Welt entwickelt. Hält der elektronische Baustein, was seine Konstrukteure versprechen, könnte Siemens auf der Weltrangliste der bedeutenden Elektronikfirmen ein paar Plätze aufsteigen. Der neben Philips bisher einzig nennenswerte europäische Chipprobisher in München hat schon eine Lizenz erworben.

"Genau das war die Absicht", erklärt Ilse Müller, die Frau des Ingenieurs, der den Chip schuf. Sie war immer der Außenminister ihres Mannes. Otto Müller gilt als introvertiert und eigenwillig.

Diesen Ruf hatte er schon, als er für die ehemalige AEG-Telefunken Anfang der sechziger Jahre den ersten Kleincomputer baute. Seine Frau hatte die Idee, weil sie sich über die stupide Arbeit als Buchhalterin ärgerte. Die AEG-Manager ließen Müller basteln, stellten das Produkt auch auf der Messe in Hannover aus, hatten aber keine Hoffnung, daß sich das Ding auch verkaufen ließ. Als Müller sich nach Abschluß seiner Entwicklungsarbeit anmaßte, um eine Gehaltserhöhung zu bitten, bekam er gerade fünfzig Mark. Vor lauter Zorn und Wut kündigte der junge Ingenieur und wanderte nach Amerika aus. Sein neuer Arbeitgeber war die US-Computerfirma IBM.

Die Heimkehr