Dänische Gemütlichkeit statt Hektik – damit will Kopenhagen vor allem in der Adventszeit vorweihnachtlich gestreßte Bundesbürger zu einem Kurztrip verlocken. Doch Einkaufs- und Bummeltage in der Hauptstraße der Hauptstadt haben viel von ihrem Biedermeier-Reiz verloren.

Die Strøget, die eigentlich aus fünf ineinander übergehenden kleinen Straßen besteht, hat ihr Gesicht verändert. International sei sie geworden, würden Stadtplaner wohl loben. Gesichtslos, meinen Kritiker. Austauschbar mit jeder x-beliebigen Einkaufsstraße in jeder x-beliebigen Großstadt.

Der Beginn der Strøget am Radhauspladsen: Die Filiale einer internationalen Hamburger-Kette drängt sich wie ein gefräßiger Moloch ins Blickfeld, macht sich um die ganze Ecke breit. Gleich daneben eine Geschenkboutique, wie wir sie auch aus bundesdeutschen Städten kennen: Garfield als Teebecher, Mickymaus als Telephon, Snoopy als Kopfkissen. Lauter schaurig-schöne Überflüssigkeiten. Drei Schritte weiter – ein Hamburger-Imbiß, der sich selbst als „King“ preist. Wo sind sie bloß geblieben, die guten alten dänischen Poelser, jene knallroten Würstchen im Schlafrock mit ordentlich Zwiebeln und Mayo? Schräg gegenüber vom Hamburger-Imbiß, direkt nebeneinander, Filialen von zwei auch bei uns in Kids-Kreisen bevorzugten Bekleidungsunternehmen mit dem internationalen Standardangebot. Wenige Schritte weiter eine neonausgeleuchtete Bar für Shakes und postmoderne Cocktails. Und Jeans-Läden, immer wieder Jeans-Läden. In diesem monotonen Wechsel geht es die ganze Einkaufsmeile runter. Kopenhagen ist unübersehbar jung. Die Strøget hat sich offenbar auf dieses Publikum eingestellt: Fast food und Junk goods.

Es gibt sie zwar noch – Holmegaard, die bekannte Glasmanufaktur, Bing & Grøndahl mit dem schönen Geschirr, das große Kaufhaus Illums Bollighus –, aber im schrillen Konzert der Newcomer können sie kaum Kontrapunkte setzen. Es wird überdies immer schwerer, in Kopenhagen das Besondere zu entdecken, zumal inzwischen ja auch in Deutschland das begehrte dänische Profi-Kochgeschirr zu bekommen ist.

Ein Schnäppchen zu machen – diese Hoffnung sollte der Kopenhagen-Besucher tunlichst gleich begraben. Dänemark ist teuer, und der Umrechnungskurs gleicht da nichts aus. Vor allem bei Restaurantbesuchen muß man tief in die Tasche greifen. Zwei halbe Schwarzbrotscheiben Smørrebrød und eine Flasche Bier im „Karl Kik“, Kopenhagens Smørrebrød-Paradies an der Fortunstræde, reißen ein Loch von Dreißig Mark in die Urlaubskasse des hungrigen Touristen.

Renate Kaufeld

Der neue Airport von Kopenhagen schmückt sich mit dem schönsten Shopping-Center aller europäischen Flughäfen. Der Reisende fühlt sich nicht mehr wie in der Wartehalle, sondern wie in der Flaniermeile einer Großstadt.