Im nächsten Winter soll die Deutsche Lufthansa durch die Charterfluggesellschaft Aero Lloyd Konkurrenz auf den innerdeutschen

Linienstrecken bekommen. Der Newcomer will die Preise der Lufthansa um 30 Prozent unterbieten.

Auf ihren deutschen „Rosinenstrecken“ will Aero Lloyd der Lufthansa Paroli bieten. Im Bundesverkehrsministerium haben die Frankfurter Ferienflieger schon inoffiziell Zustimmung gefunden, im Januar will man offiziell beim Bundesluftfahrtamt die Linienlizenz beantragen.

Warum die Chartergesellschaft in die Domäne der Lufthansa einbrechen will, liegt auf der Hand. Im November vergangenen Jahres hatte der Vorstand der Deutschen Lufthansa angekündigt, man werde in einem liberalisierten Luftverkehrseuropa mehr und mehr Zugriff auf den Urlaubermarkt nehmen und in Konkurrenz zu den Charterfliegern treten. Dem noch nicht genug. Künftig werden die deutschen Chartercarrier wie Hapag Lloyd, Condor oder Aero Lloyd mehr und mehr von ausländischen Gesellschaften bedrängt. Allein in Spanien sind über zehn Charterfluggesellschaften in der Gründungsphase. Eine nach der anderen drängt mit Dumpingpreisen in den deutschen Markt, wie erste Erfahrungen zeigen (siehe DIE ZEIT Nr. 48/87).

Auf eine solche Entwicklung mußte die Aero Lloyd reagieren, die die ständig wachsende Urlauberzahl zum Anlaß genommen hatte, neue Flugzeuge zu bestellen. Bislang verfügt sie über vier MD-83 und drei völlig neu ausgestattete DC-9. Zwei MD-87 sollen in den ersten Monaten dieses Jahres eintreffen.

Der Urlaubermarkt wird von zig Fluggesellschaften umworben, der deutsche Liniendienst dagegen ist bislang unangetastet. Zwar wird in Insiderkreisen gemunkelt, daß die Münchner Liniengesellschaft German-Wings nun endlich in die Luft gehen will, doch bis der Flugbetrieb aufgebaut ist, wird noch einige Zeit ins Land gehen. Zudem will dieser Carrier mehr Komfort als die Lufthansa bieten und deren Preise nicht unterschreiten.

Anders das Konzept der Aero Lloyd, die bis zu 30 Prozent billiger als die Lufthansa sein will. Die Frankfurter Ferienflieger haben ausgerechnet daß sie auch bei dem um ein Drittel preiswerteren Tarif gegenüber den Lufthansa-Offerten noch gutes Geld verdienen, vorausgesetzt, 60 Prozent der Flugzeugsessel sind besetzt.