Von Theo Sommer

Die Ehrung kommt ein halbes Jahrhundert nach der Schmach. Im August 1938 hatte Eric Warburg Deutschland verlassen, ein Vierteljahr vor der "Reichskristallnacht"; im Frühsommer 1945 kehrte er in der Uniform eines amerikanischen Oberstleutnants in das Trümmerfeld rund um die Alster zurück; 1956 schließlich ließ er sich wieder ganz in Hamburg nieder, wo seine Vorfahren seit dreihundert Jahren ansässig waren und der Urgroßvater Moses Marcus Warburg die Familienbank gegründet hatte.

Eric Warburg verließ Deutschland in der Überzeugung, "daß Hitler bald Krieg führen wird", und war sich dessen sicher, "daß nur ein militärischer Sieg über Hitler den Wandel bringen würde". Er kam zurück, weil es ihm auch nach dem Holocaust klar schien, "daß die Juden – wenn auch in kleiner Zahl – in Mitteleuropa wieder anzutreten haben". Das Motiv, das den Ausschlag gab, war aber ein anderes: "Ich hoffte, an dem Brückenschlag zwischen der Alten und der Neuen Welt und gerade zwischen den USA und Deutschland mitwirken zu können, nachdem ich so lange und entscheidende Jahre auf beiden Seiten des Atlantiks gelebt hatte."