DIE ZEIT

Manschen in der Atomküche

War alles nur ein Fehlalarm? Die CDU-Politiker Wallmann, Weimar und Töpfer hatten von Gerüchten, Hinweisen und Verdächtigungen geredet, daß aus der Bundesrepublik oder über sie spaltbares Material, mit dem sich Atomwaffen bauen ließen, an Pakistan und Libyen gegangen seien; der SPD-Wortführer Hauff verdichtete diese ungeheuerlichen Mutmaßungen über einen westdeutschen Verstoß gegen den Atomwaffensperrvertrag bis fast zum Beweis.

Schimpf und Schande

Eine Völkerkunde des Fluchens müßte bei folgender Erkenntnis anfangen: Der Dreck, mit dem die Streithähne eines Stammes einander bewerfen, stammt zumeist aus dem kollektiven Unterbewußtsein, aus unverarbeiteten Resten der gemeinsamen Vergangenheit.

Hasenschwund

Nun sogar der Hase. Nicht länger sind es nur exotische Vertreter der Fauna wie die arktische Smaragdlibelle, die untergehen.

Stromzufuhr

So geht es immer: Skandale drängen in den Hintergrund, was die dickeren Schlagzeilen verdiente. Wäre Bonn nicht von den Durchstechereien bei Transnuklear elektrisiert, hätte die Nachricht vom Stromverbund zwischen der Bundesrepublik, West-Berlin und der DDR größere Aufmerksamkeit gefunden.

Zeitspiegel

Mangelndes Interesse und große Wissenslücken der Amerikaner in Sachen Deutschland können auf lange Sicht das deutsch-amerikanische Verhältnis stören.

Worte der Woche

„Natürlich entschuldige ich mich bei Herrn Geißler. Und zwar in jeder gewünschten Form, ob mündlich, schriftlich, telephonisch oder persönlich.

Schewardnadses Besuch in Bonn: Viel Charme, aber wenig Konkretes

Er tat, als ob Moskau noch einen Koffer in Berlin habe – aber er öffnete ihn nicht. Es gebe ungenutzte Möglichkeiten, alles sei erlaubt, was das Viermächteabkommen nicht ausdrücklich verbiete, verriet Eduard Schewardnadse dem Bundespräsidenten – doch in den Details blieb er unkonkret und „hartnäckig“ (Genscher).

Ein Mann des Dienstes: Hamburger Patriot und Weltbürger

Die Ehrung kommt ein halbes Jahrhundert nach der Schmach. Im August 1938 hatte Eric Warburg Deutschland verlassen, ein Vierteljahr vor der "Reichskristallnacht"; im Frühsommer 1945 kehrte er in der Uniform eines amerikanischen Oberstleutnants in das Trümmerfeld rund um die Alster zurück; 1956 schließlich ließ er sich wieder ganz in Hamburg nieder, wo seine Vorfahren seit dreihundert Jahren ansässig waren und der Urgroßvater Moses Marcus Warburg die Familienbank gegründet hatte.

Wolfgang Ebert: Faß ohne Boden

Vermittlung?! SOS! Ich rufe dringend Bonn... besetzt? Von wem?... Ach, so. Wen? Die Regierung... Ja, persönlich, keinen Staatssekretär In einer Kabinettssitzung? Wie lange noch?.

Opposition in der DDR: Gegen Rosas Geist

Rosa Luxemburg wäre sehr enttäuscht: Weil junge Leute in einem von ihr so leidenschaftlich ersehnten sozialistischen Staat Transparente mit ihrem vielzitierten Satz: „Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden“ trugen, wurde ihnen die Freiheit genommen – sie wurden verhaftet, vierzehn wurden innerhalb weniger Stunden aus der DDR ausgewiesen.

Vor dem Millenium der Christianisierung Rußlands: Messe in Moskau?

Reist der Papst in die Sowjetunion? Johannes Paul II. hat jetzt die Frage, die lange schon durch die Welt geistert, selber aufgegriffen, als er zum ersten Mal den Verein der Auslandspresse in Rom besuchte: „Es müßte ein wahrer Besuch auf eine wahre Einladung sein, und diese ist bis jetzt nicht angekommen“, sagte er.

Herausgefordert

Zum zweiten Mal innerhalb von zehn Monaten hat ein argentinischer Offizier die Demokratie herausgefordert. Aldo Rico, ein Held des Falkland-Krieges und nicht verdächtig, im „schmutzigen Krieg“ der siebziger Jahre gefoltert zu haben, gab nach vier Tagen am Montag auf, weil die Mehrheit der Streitkräfte loyal zur gewählten Regierung stand.

Neuer Friedensanlauf in Mittelamerika: Geduld am Ende

Der Frieden in Mittelamerika hat noch einmal eine Chance erhalten. Groß ist sie nicht, und vom Elan, mit dem die fünf Staaten im August 1987 ihren gemeinsamen Plan beschlossen hatten, war am vergangenen Freitag und Samstag in San José, der Hauptstadt Costa Ricas, wenig zu spüren.

Taiwan: Das Ende einer Dynastie

Nach dem Tod Chiang Chingkuos steht mit dem neuen Präsidenten Lee Teng-hui erstmals ein Taiwanese an der Spitze der Inselrepublik.

NAMEN UND NACHRICHTEN

Stanislaw Stomma, katholischer polnischer Politiker, feierte in Warschau seinen achtzigsten Geburtstag. Er hat sich seit Jahrzehnten beharrlich, nüchtern und grundsatztreu für die innere Versöhnung in seinem Land und für die Verständigung Polens mit seinen Nachbarn, besonders mit den Deutschen, eingesetzt.

Spanien: Abzug amerikanischer Jagdbomber

Die amerikanische Verhandlungsdelegation willigte in die spanische Hauptforderung ein, alle 72 auf dem US-Stützpunkt Torrejón de Ardoz stationierten F-16-Jagdbomber innerhalb von drei Jahren abzuziehen.

Atom-Korruption im Weltmaßstab

Die sind ja wahnsinnig geworden“, erregte sich ein Mitarbeiter der Hanauer Nuklearbetriebe vor den Toren seiner Firma und setzte dann noch eine Spur erregter hinzu: „Keiner weiß was, aber wir werden gelyncht.

„Große Mauscheleien...“

Die Politiker verschaukeln uns doch von vorne bis hinten, der eine schiebt das auf den anderen, und keiner weiß, was geschieht.

Der nukleare Trans-Europa-Export

Nicht nur Hanau, auch Lübeck ist in die Schlagzeilen geraten, seit belgische Grüne behauptet hatten, bombentaugliches Material sei über den Hafen der Hansestadt an der Ostsee außer Landes gebracht worden.

Streit ums Gemächt

Der Wahrheit die Ehre: Es geht nicht um das Denkmal, es geht um die Biologie. Die Stadt Göttingen hat einen Kentaur aus Eisen vor dem Rathaus aufgestellt, und seit er steht, macht er nur Ärger.

Datenschutz in Baden-Württemberg: Dunkle Landschaft, wenig Einsicht

Das eher düstere Datenschutzgemälde von Baden-Württemberg, das Ruth Leuze, die Datenschutzbeauftragte des Landes, in ihrem achten Tätigkeitsbericht für 1987 entwickelt, ist der Regierung in Stuttgart zwei Monate vor einer riskanten Landtagswahl eher unangenehm.

„Der will uns loswerden“

Franz, wo gehste denn hin? Hier sind wir.“ Franz Steinkühler hört die Rufe der Kollegen nicht. Er strebt eilig zum Ausgang des Betriebsratsgebäudes der Krupphütte in Rheinhausen.

Bonner Kulisse

Guter Rat ist bekanntlich teuer. Doch wer will entscheiden, ob der Sachverständigenrat sein Geld wert ist? Seit seiner Berufung 1963 hat er den Steuerzahler über dreißig Millionen Mark gekostet.

Nikolaus Piper:: Bewährungsprobe für Gorbatschow

Mit dem Jahreswechsel hat in der Sowjetunion ein Testlauf begonnen, an dessen Ende 1990 Ost und West wahrscheinlich Genaueres über die Reformfähigkeit und die Zukunftschancen des sozialistischen Wirtschaftssystems wissen werden.

Stahlindustrie: Fit für den Wettbewerb

Industrieminister Kenneth Clarke spendete der British Steel Corporation (BSC) das höchste Lob, daß die konservative Regierung einem staatlichen Unternehmen aussprechen kann.

Die armen Kassen

Norbert Blüm hat keine Lösung für die Probleme der Arbeiter-Krankenversicherung

Neue Investmentfondstabelle

Der Börsenkrach vom Oktober vorigen Jahres ist auch an den Investmentfonds nicht spurlos vorübergegangen. Besonders die Aktienfonds mußten teilweise herbe Verluste hinnehmen.

Zeit-Börse: Neues Spiel – neues Glück

Häufig genug werden Prognosen zur Börsenentwicklung zwar sehr schnell von der Realität überrollt; die jüngsten Erfahrungen geben dafür ein beredtes Zeugnis.

Markt-Report: Kein Grund zur Euphorie

Das überraschend deutlich verringerte Defizit in der Außenhandelsbilanz der Vereinigten Staaten hat die Stimmung an den Weltbörsen zwar gebessert, aber noch längst keine Wende zum Besseren bewirkt.

Heikler Durchblick

Thomae: Es soll mehr Transparenz über die Kosten des Gesundheitswesens geschaffen werden. Die Abrechnung aller veranlaßten Leistungen soll jetzt möglichst maschinenlesbar den Kassen zur Verfügung gestellt werden, auch um die vorgesehenen Kostenerstattungsverfahren und die modellhafte Beitragsrückgewährung durchführen zu können.

MANAGER UND MÄRKTE

Die deutsche Wirtschaft hat einen neuen, besonders für Entwicklungsländer interessanten Exportartikel auf ihrer Orderliste: Altfabriken, die deutsche Umweltschutznormen nicht mehr erfüllen.

Mehr Leben in die Läden

Ein "guter Nachbar" wollte das neue Warenhaus in Hamburg-Wandsbek sein. Architektonisch ließ der Düsseldorfer Warenhauskonzern Horten seine 57.

Ob im Historikerstreit oder in der Diskussion um Helmut Kohls Historisches Museum in Berlin – immer geht es auch um das „Eigentumsrecht an der Geschichte“ um die Frage, für wen Vergangenes eigentlich aufgeschrieben und interpretiert wird.: Wem gehört die Geschichte?

Immanuel Kant unterschied die philosophischen Wissenschaften von den oberen Fakultäten nach einem einfachen Kriterium. Theologen, Juristen und Mediziner hätten ihre Lehre an ihren kanonisierten Schriften, der Bibel, dem Landrecht, der Medizinalordnung, auszurichten; den Philosophen dagegen sei es geboten, in ihrer Denkarbeit und ihrer Lehre allein den Regeln der Vernunft zu folgen.

Der ferne Klang der Lust

Erinnern wir uns: Im Sommer 1961 wagte es ein New Yorker Verleger, Henry Millers Roman „Wendekreis des Krebses“ im Heimatland des Schriftstellers zu publizieren – dreißig Jahre, nachdem das Werk geschrieben worden war (eine Ausgabe in englischer Sprache konnte 1934 nur in Paris erscheinen).

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